Leipzig (dpa) - Langeweile kommt bei Dominic Bösel nicht auf. Zusammen mit Papa Bernd baut der Box-Weltmeister gerade neue Fenster ein. Also geht er eben dabei körperlich in die Vollen, statt bei seiner ersten Titelverteidigung. Wobei ihm der für den 28. März geplante Kampf natürlich lieber gewesen wäre. "Ich bin gesund und munter, könnte mich jetzt rumboxen", sagt Bösel und grinst. Doch das Duell mit dem Australier Zac Dunn liegt erst mal auf Eis. Corona-Pause.

Der 30-Jährige war topfit, fieberte dem Abend in der wohl ausverkauften Magdeburger GETEC-Arena seit Monaten entgegen. Schließlich sollte es auch das große Comeback des Boxens in der ARD werden. Das Idol Maske am Ring, Bösel darin. Am Dienstag wurde der Stecker gezogen. "Über allem stand immer die Gesundheit. Die Verschiebung war unumgänglich", sagt Bösels Promoter Ulf Steinforth vom SES-Boxstall.

Dass Bösel relativ entspannt ist, hat viel mit dem vergangenen Jahr zu tun. Dort sollte er eigentlich im August um die WM boxen, der Kampf fand schließlich im November statt. "Da ist diese Verschiebung jetzt Pillepalle. Damals war das von der Psyche her echt schwer", erzählt der Freyburger. Nun macht Bösel erst mal eine Woche Fensterbau-Urlaub, geht dann ins Stand-by-Training. "Wir hoffen dann, im Sommer boxen zu können."

Natürlich merkt Bösel die Verschiebung finanziell. Als Boxer ist er Selbstständiger. Kämpft er nicht, sieht er kein Geld. Auch eine Ausfallzahlung gibt es nicht. "Aber ich habe mittlerweile ein Polster. Mir geht es gut", beruhigt Bösel. Auch von der Motivation her fällt er nicht in ein Loch. "So eine Absage kann im Boxen immer passieren. Da gibt es kurz vor dem Kampf eine Verletzung und dann war es das."

Bösel hatte sogar in Erwägung gezogen, ohne Zuschauer Ende März zu boxen. Geisterboxen statt großer Party. "Aber ein Comeback in der ARD ohne Zuschauer? Das wäre einfach nicht der richtige Rahmen gewesen", betont Bösel. Der Sender ist weiter im Boot. Aktuell wird versucht, den Kampf im Juni auf die Beine zu stellen.

Manager Steinforth betonte beim MDR, dass man vorsorglich einige Hallen-Termine geblockt habe. Zudem will der SES-Boss trotz der angespannten Lage derzeit auf Staatshilfen verzichten. "Ich werde in wirtschaftlicher Sicht für jeden Menschen mitkämpfen. Nun ist Solidarität gefragt. Dafür werde ich auf ganzer Linie eintreten", sagte Steinforth.

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