Rudolstadt/Halle (dpa) - Thüringen droht aus Sicht eines Vereins durch die geplante gemeinsame Mitteldeutsche Schlösserstiftung mit Sachsen-Anhalt der Verlust kultureller Identität. "Jedes Land hat seine spezifischen Identitäten und Schlösser", sagte der Geschäftsführer der Gesellschaft für Thüringer Schlösser und Gärten, Dieter Höhnl, der Deutschen Presse-Agentur.

Durch den beabsichtigten Zusammenschluss der bisherigen Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt zur Kulturstiftung Mitteldeutsche Schlösser und Gärten gehe für den Freistaat "ein Stück kollektives Gedächtnis" verloren, meinte Höhnl.

Hintergrund ist, dass der Bund den beiden Ländern 200 Millionen Euro zum Abbau von Sanierungsstaus bei Schlössern und Gärten in Aussicht stellt. Voraussetzung dafür ist aber die Gründung einer gemeinsamen Stiftung und dass beide Länder jeweils weitere 100 Millionen Euro aufbringen. Rechtssitz und einer der beiden Hauptverwaltungsstandorte der gemeinsamen Stiftung soll Halle (Saale) werden. Ein Thüringer Standort ist noch offen - neben Rudolstadt, wo die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sitzt, hat sich auch Gotha dafür beworben.

Beide Länder müssen für die Stiftung einen Staatsvertrag abschließen, der von den Landtagen in Magdeburg und Erfurt zu billigen ist. Dazu laufen derzeit Verhandlungen. Ob es für den Staatsvertrag im neuen Thüringer Landtag eine Mehrheit gibt, ist fraglich. Das Thema hat bereits in diesem Jahr im Parlament zu Debatten geführt, unter anderem in einer Sondersitzung. Kritiker befürchten, Thüringen könnte sein "Tafelsilber" verlieren.

"Hier sollen sich zwei unterschiedliche Kulturkreise vereinen, die alle ihre eigene Geschichte haben", sagte Höhnl über die Fusionspläne der Stiftungen. "Was Thüringen so prägt und interessant macht, ist seine Kleinteiligkeit, die sich aus den verschiedenen Höfen von früher ergibt, als jeder Adelige seinen jeweiligen Hof nach vorne bringen wollte." Dieser Tatsache könne die künftige gemeinsame Stiftung nur schwerlich Rechnung tragen. Zudem seien die Stiftungen in Aufbau und Struktur sehr unterschiedlich.

Der Vereinsgeschäftsführer äußerte die Befürchtung, dass Thüringen Arbeitsplätze und Fachpersonal durch die gemeinsame Stiftung abhanden kommen könnten. Vor allem aber ist aus seiner Sicht die Finanzierung noch zu unklar, denn die Mittel aus dem Sonderinvestitionsprogramm des Bundes gelten bisher bis 2027.

Die 1996 gegründete Gesellschaft für Thüringer Schlösser und Gärten unterstützt die Arbeit der gleichnamigen Stiftung, indem sie etwa Spendengelder sammelt. Zu den 120 Mitgliedern gehören laut Höhnl neben Privatleuten die Landkreise Weimarer Land und Saalfeld Rudolstadt, verschiedene Institutionen sowie weitere Vereine.

Gesellschaft für Thüringer Schlösser und Gärten e. V.

Stiftungsrat Thüringer Schlösser und Gärten zur Gründung der neuen Stiftung Mai 2019

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