Halle (dpa/sa) - Im Mordprozess um eine getötete 18-Jährige hat der Bruder der jungen Frau ein mögliches Motiv des Angeklagten genannt. Der tatverdächtige Verlobte seiner Schwester habe ihm am Telefon gesagt, er habe sie getötet, weil sie ihn "nicht mehr haben wollte". Das sagte der 23-Jährige am Freitag im Landgericht Halle. Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 29 Jahre alte Angeklagte seine damals 18-jährige Verlobte mit 34 Messerstichen tötete, weil sie sich von ihm trennen wollte.

Als Begründung für eine Trennung sagte der Bruder der Frau über den Angeklagten: "Weil er keinen guten Charakter hatte." Er kenne den 29-Jährigen seit rund zehn Jahren. Seit drei Jahren habe eine Hochzeit im Raum gestanden. Zunächst seien die Pläne einvernehmlich gewesen.

Dem Afghanen wird zur Last gelegt, die Tat aus niederen Beweggründen verübt zu haben. Das Opfer wurde im Juli in einer Plattenbau-Wohnung in der Nähe des Stadtzentrums von Halle gefunden. Die Afghanin starb noch am gleichen Tag.

Die Mutter der jungen Frau hatte den Angeklagten am ersten Prozesstag vor einer Woche als eifersüchtig beschrieben. Er habe etwa nicht gewollt, dass ihre Tochter Bekannte umarmte oder ihnen die Hand schüttelte. Am Tag der Tat habe sie mit dem 29-Jährigen noch Messer gekauft. "Ich habe deine Tochter getötet", soll ihr der Angeklagte am Telefon gesagt haben.

Zu einer zuvor angekündigten Aussage des Angeklagten kam es am Freitag nicht. Dies sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden, sagte Verteidiger Heinz-Peter Günther.

Während der Verhandlung ging es auch um Fotos, auf denen etwa blutige Hände und Messer zu sehen sein sollen. Sie seien zwischen dem Tatverdächtigen und Familienmitgliedern des Opfers über einen Messenger-Dienst ausgetauscht worden.