Berlin (dpa) - Der frühere DDR-Spitzenfunktionär Herbert Häber ist tot. Der einstige Westexperte der SED-Führung starb im Alter von 89 Jahren am 10. April in Berlin, teilte die Familie am Donnerstag mit. Sohn Bernd Häber schrieb in einer Erklärung, sein Vater sei zu DDR-Zeiten für viele westdeutsche Politiker ein geschätzter Gesprächspartner gewesen. Ehefrau Christa Häber sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihr Mann sei sehr krank gewesen.

Von 1973 bis 1985 war der in Zwickau (heute Sachsen) geborene Herbert Häber Leiter der Westabteilung bzw. der Abteilung Internationale Politik und Wirtschaft beim Zentralkomitee der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Für anderthalb Jahre, von Mai 1984 bis November 1985, gehörte Häber dem SED-Politbüro, dem höchsten DDR-Machtzirkel, an.

Im wiedervereinigten Deutschland stand Häber wegen der Toten an der Mauer vor Gericht. Das Berliner Landgericht urteilte abschließend, er sei kein "Betonkopf" gewesen und habe sich als Einziger im Politbüro für eine Milderung des Grenzregimes eingesetzt. Dafür habe er schwere persönliche Nachteile in Kauf genommen. Das Gericht zollte ihm Respekt für seine moralische Haltung.

Dennoch wurde der Funktionär 2004 wegen Anstiftung zum Mord an drei Flüchtlingen schuldig gesprochen, eine Strafe wurde aber nicht verhängt. Er hatte sich laut Urteil im juristischen Sinn strafbar gemacht, weil er 1985 an einem Beschluss des SED-Politbüros zur Aufrechterhaltung des DDR-Grenzregimes mitgewirkt habe.

Im Prozess hatte Häber gesagt, er habe mit seinen Kontakten zu Politikern der Bundesrepublik alles getan, um das Grenzregime humaner zu machen. Er sei deshalb im Politbüro zunächst kaltgestellt worden und habe offiziell im November 1985 ausscheiden müssen. Schon zuvor sei er zur Unperson erklärt und später auf Betreiben der Stasi in die Psychiatrie gesteckt und dann bis zum Mauerfall überwacht worden.