Dessau-Roßlau (dpa/sa) - Am 16. Todestag des Asylbewerbers Oury Jalloh wird heute in Dessau-Roßlau an das bis heute ungeklärte Schicksal des Mannes erinnert. Wie die Organisatoren des Gedenkens mitteilten, wird dies in diesem Jahr angesichts der Corona-Pandemie auf Abstand und in kleinem Kreis geschehen. Jalloh war am 7. Januar 2005 bei einem Brand in einer Dessauer Polizeizelle gestorben. Wie genau es zum Tod des Asylbewerbers aus Sierra Leone kam, konnte auch in zwei Gerichtsverfahren gegen zwei Polizisten nicht geklärt werden.

Jalloh soll nach den Ermittlungen der Behörden den Brand in der Gewahrsamszelle des Dessauer Polizeireviers selbst gelegt haben. Der Mann war den Angaben zufolge an Händen und Füßen gefesselt. Eine Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh in Berlin kämpft bis heute dafür, den Fall nicht zu den Akten zu legen. Sie wirft Staatsanwaltschaft und Polizei Vertuschung vor. Jalloh habe sich niemals selbst in der Zelle anzünden können. Wiederholt wurde der Vorwurf geäußert, er sei ermordet worden. Der Fall war von zwei Sonderberatern untersucht worden, die der Landtag eingesetzt hatte. Deren Bericht listete eine Reihe von Fehlern auf, Konsequenzen hatte das bislang aber nicht.

Fest steht laut Obduktion, dass Jalloh mit erheblichen Verbrennungen in einer Zelle des Polizeireviers Dessau gefunden wurde. Dort war er gestorben. Er war laut den Ermittlungen in Gewahrsam, weil ihm vorgeworfen wurde, mehrere Frauen belästigt zu haben.

Aufruf der Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh