Dessau-Roßlau (dpa/sa) - Im Streit um die Entfernung eines antijüdischen Reliefs an der Wittenberger Stadtkirche hat das Landgericht Dessau-Roßlau noch keine Entscheidung getroffen. Das teilte ein Gerichtssprecher am Donnerstag mit. Ein Mann aus Bonn hatte den Angaben zufolge das zivilrechtliche Verfahren gegen die Kirchengemeinde angestrengt. Sein Ziel sei die Entfernung des Reliefs.

Die mittelalterliche Schmäh-Plastik befindet sich an einer Außenwand der Kirche. Zu sehen ist ein Rabbiner, wie er einem Schwein unter den Schwanz schaut, und Juden, die an den Zitzen der Sau trinken. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein.

In dem Gerichtsverfahren seien noch rechtliche Gesichtspunkte zu klären, sagte der Sprecher. Dazu gehöre die Frage, ob das Zivilgericht oder das Verwaltungsgericht zuständig ist, weil die Kirche eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sei. Das Gericht will am 24. Mai seine Entscheidung verkünden. Die Stadtkirche ist das Gotteshaus, in dem der Reformator Martin Luther (1483-1546) gepredigt hat. Sie zählt wie alle Luther-Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt zum Unesco-Welterbe.

Stadtkirchengemeinde Wittenberg und das Relief

Die Wittenberger Stadtkirche