Magdeburg (dpa/sa) - Die Bildungsgewerkschaft GEW hat die Pläne für die Öffnung der Schulen in Sachsen-Anhalt für alle Klassenstufen als überstürzt kritisiert. Es seien einige Fragen noch nicht geklärt, sagte GEW-Landeschefin Eva Gerth am Dienstagabend. So sei nach der Rückkehr der Abschlussklassen vor wenigen Tagen nicht geprüft worden, ob die Hygienestandards in allen Schulen eingehalten werden könnten.

Zudem fehle eine Analyse, wie viele Lehrkräfte für den Unterricht in den Klassenzimmern tatsächlich zur Verfügung stünden. "Ich habe den Eindruck, dass das Bildungsministerium nicht weiß, wie viele Kolleginnen und Kollegen zu den Risikogruppen gehören", kritisierte Gerth. Außerdem seien klare Aussagen wichtig, ob die Lehrkräfte weiterhin Klassenarbeiten schreiben und viele Noten vergeben müssten. Das gleiche gelte für die Frage, ob das Sitzenbleiben ausgesetzt wird. "Es wäre gut, jetzt den Leistungsdruck rauszunehmen", sagte Gerth. Dann könnten die Schulen Versäumnisse beim Lernstoff der letzten Wochen glattziehen.

In Sachsen-Anhalt sind die Schulen seit dem 16. März geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Seit vorigem Donnerstag sind die Abschlussklassen wieder vor Ort. Ab kommender Woche sollen schrittweise weitere Jahrgänge folgen, wie Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte. Bis zu den Pfingstferien Mitte Mai soll jede Klassenstufe mindestens einen Tag in der Schule sein, um den Lernstand zu prüfen. Ab 2. Juni ist geplant, alle Klassenstufen im Wechsel in der Schule und mit Aufgaben zu Hause zu unterrichten.