Gießen (dpa) - Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in Deutschland sind rund 200 Menschen an einer historischen Stätte in Mittelhessen zusammengekommen. Sie nahmen am Samstag im früheren Bundesnotaufnahmelager in Gießen an einer Bürgerveranstaltung teil. "Es kam zu emotionalen Begegnungen, bei denen der ein oder andere vor lauter Rührung auch zum Taschentuch greifen musste", bilanzierte ein Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Gießen.

Die Gäste sahen eine Ausstellung und bekamen eine Führung durch die Einrichtung, einen Vortrag und eine Podiumsdiskussion geboten. Es gehe darum, Rückschau zu halten, die Gegenwart zu beleuchten und gemeinsam Lehren für Europas Zukunft zu ziehen, teilte das RP als einer der Veranstalter mit.

Unter den Gästen waren am Samstag auch der damalige Einrichtungsleiter Heinz Dörr (92), Zeitzeugen und ehemalige DDR-Bürger, die von Osten nach Westen geflohen waren. Regierungspräsident Christoph Ullrich sagte als Moderator der Podiumsdiskussion: Der Begriff Freiheit sei heutzutage in Deutschland selbstverständlich geworden. Doch sie sei ein hohes Gut. Die Veranstaltung solle für den Wert der Freiheit sensibilisieren.

Bis zur Wende kamen nach Angaben der Behörde 900 000 DDR-Flüchtlinge und Übersiedler in das Bundesnotaufnahmelager. Es war so etwas wie ein "Sehnsuchtsort" für Hunderttausende DDR-Bürger. Von Gießen aus begann für sie ein Leben in Freiheit. Die Einrichtung war bundesweit für die Übersiedler zuständig.

Veranstaltungsankündigung des RP Gießen

Handzettel zur Veranstaltung