Berlin (dpa) - Linke-Politiker Gregor Gysi hält nichts davon, sich im Rückblick die DDR schönzureden. "So, wie die DDR war, ist sie zu Recht gescheitert", sagte Gysi der "Berliner Zeitung" und dem "Berliner Kurier" (Dienstag). Vor 30 Jahren, am 7. Mai 1989, hatten Oppositionelle bei der DDR-Kommunalwahl erstmals Fälschungen aufgedeckt und öffentlich gemacht. Das brachte eine Lawine ins Rollen und trieb viele Menschen zu Protesten auf die Straße. Rund ein halbes Jahr später fiel die Mauer.

Der Kapitalismus sei erfolgreich, wenn es um wirtschaftliche Effektivität und wissenschaftlichen Fortschritt gehe, betonte der frühere Linke-Fraktionschef im Bundestag. "Aber soziale Gerechtigkeit, Frieden und ökologische Nachhaltigkeit kann er nicht aus sich selbst herstellen". Der Rechtsanwalt Gysi wurde nach dem Mauerfall zunächst Chef der SED-Nachfolgepartei PDS.

Eine "ablehnende, starrköpfige Haltung" habe er in seiner Anfangszeit auch im Bundestag erlebt, erinnerte sich Gysi in den Zeitungsinterviews. Es habe nach der Wiedervereinigung auf westlicher Seite eine große Arroganz und wenig Bereitschaft gegeben, sinnvolle soziale Errungenschaften der DDR zu bewahren.

Für ihn bleibe es eine wichtige Frage, wie heute der Zugang zu Bildung, Kultur und Kunst chancengleich gewährleistet werden könne. "In der DDR konnten alle Rentner mittwochs kostenlos ins Kino gehen." Heute sei eine Eintrittskarte für ein Konzert mit Daniel Barenboim für sehr viele Menschen nicht erschwinglich. "Solche Ungerechtigkeiten bewegen mich die ganze Zeit."