Magdeburg (dpa/sa) - Bei der Impfung gegen das Coronavirus soll der jüngst zugelassene Wirkstoff von Astrazeneca in Sachsen-Anhalt zunächst Pflegekräften und Krankenhauspersonal verabreicht werden. Das kündigte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) in der Landtagsdebatte am Donnerstag an. Demnach ist geplant, Pflegende und medizinisches Personal mit Astrazeneca sowie hochbetagte Senioren und Pflegeheimbewohner mit dem Wirkstoff von Biontech und Pfizer zu impfen.

Hintergrund ist, dass der Astrazeneca-Impfstoff bisher lediglich für Erwachsene bis 65 Jahre empfohlen wird. Derzeit werden nur Menschen versorgt, die zur höchsten Priorität gehören, wie sie in der Bundesimpfordnung festgelegt ist. Neben Menschen über 80 Jahren, Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen sind das Pflegekräfte und medizinisches Personal, das Covid-19-Erkrankte behandelt oder Patienten, die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Seit einigen Tagen läuft eine Debatte, ob die Impfpriorität verändert und auch Personengruppen bevorzugt werden sollten, die besonders viele Kontakte haben - etwa Lehrerinnen, Kita-Erzieher oder Polizeikräfte. So fordern beispielsweise Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und die oppositionelle Linke, Lehrer und Erzieher höher einzustufen.

Die Abgeordnete der Linken, Eva von Angern, kritisierte in der Debatte, dass die wichtige Frage, wer in welcher Reihenfolge geimpft werde, nur per Verordnung durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festgelegt und nicht im Bundestag diskutiert und beschlossen werde. Die Priorisierung entscheide tatsächlich über Leben und Tod, sagte sie.

Ministerin Grimm-Benne verteidigte das Vorgehen damit, dass so wichtige Abwägungen nicht von politischen Mehrheiten abhängig sein dürften, sondern auf Einschätzung der Fachleute beruhen sollten. Das sei bei der Verordnung der Fall, die sich auf die Experten der Ständigen Impfkommission stütze.

Nach jüngsten Angaben des Gesundheitsministeriums wird am Wochenende die erste Lieferung des Astrazeneca-Impfstoffs erwartet. Am Sonntag sollen 16 800 Dosen ankommen, zehn Tage später noch einmal 24 000. Da für die volle Schutzwirkung zwei Impfungen nötig sind, können damit 20 400 Menschen versorgt werden. Im Februar wird zudem Nachschub des Biontech-Impfstoffs erwartet, mit dem 40 950 Menschen geimpft werden könnten. Moderna schickt bisher nur geringe Mengen.

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