Magdeburg (dpa) - Auf mehreren rechtsextremen Online-Plattformen hat der rechtsterroristische Anschlag von Halle vor allem Spott und Häme hervorgerufen. Das ging am Mittwoch aus der Befragung der Autorin Karolin Schwarz im Prozess in Magdeburg hervor. Sie hatte die Reaktionen direkt nach dem Anschlag am 9. Oktober 2019 dokumentiert und untersucht. Schwarz legte dem Gericht die Reaktionen auf drei einschlägigen Webseiten, wo auch der Angeklagte unterwegs gewesen sein soll, und von einem Messengerdienst vor.

Auf allen Plattformen bekam der Attentäter zwar auch Lob. Überwiegend machten sich die User laut den vorgelegten Screenshots aber darüber lustig, dass der Mann nicht in die Synagoge gelangt war. Er hatte bei der Ankündigung der Tat und in einem Video mehrere szenetypische Codes verwendet, sich auf den Christchurch-Attentäter in Neuseeland bezogen und sich somit direkt an das Publikum der rechtsextremen Internetforen gerichtet.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein Terrorist versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der Tür, erschoss dann eine 40-Jährige Passantin und später einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss und verletzte weitere Menschen. Der 28-jährige Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet. Seit Juli läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg der Prozess, er findet jedoch aus Platzgründen in Magdeburg statt. Mit einem Urteil wird Mitte Dezember gerechnet.

Bei der Vernehmung der zuständigen Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) waren viele Fragen zum Online-Umfeld offen geblieben. So hatten die Beamten etwa nicht die Reaktionen der rechtsextremen Online-Szene dokumentiert. Die Nebenklage hatte daraufhin die Autorin und Journalistin Schwarz als Sachverständige vorgeschlagen, die seit langem zu dem Thema forscht und recherchiert.