Magdeburg (dpa/sa) - Im Prozess zum rechtsterroristischen Anschlag von Halle haben Zeugen von der Kindheit und Jugend des Angeklagten berichtet. Die ehemalige Grundschullehrerin des Angeklagten beschrieb den heute 28-Jährigen am vierten Prozesstag als klug und ehrgeizig. Er habe eine bessere Allgemeinbildung gehabt als seine Mitschüler, sei aber kleiner und auch sonst körperlich unterlegen gewesen. Eine andere Grundschullehrerin, eine Bekannte der Mutter des Angeklagten, bestätigte das und beschrieb den Beschuldigten als ausgesprochen aufgeweckt und interessiert.

Die zweite Lehrerin nahm außerdem die Mutter des Angeklagten in Schutz, die ebenfalls Lehrerin gewesen war. Sie habe sich niemals antisemitisch oder rassistisch geäußert und sich auch um Schüler mit Migrationshintergrund immer sehr gut gekümmert, sagte die Zeugin. Am Dienstag hatte das Gericht einen Brief der Mutter vorgelesen, den die Mutter vor einem Suizidversuch in Folge des Anschlags an ihre Tochter, die Halbschwester des Angeklagten, geschrieben haben soll. Der Text hatte antisemitische Sätze und Verschwörungstheorien enthalten.

Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Naumburg läuft seit Dienstag vergangener Woche. Das Gericht wich für die Verhandlung in die Räume des Landgerichts Magdeburg aus, weil dort ein größerer Verhandlungssaal zur Verfügung steht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Angeklagten Stephan Balliet 13 Straftaten vor, darunter Mord und versuchten Mord. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn unter anderem eingeräumt, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort möglichst viele Juden zu ermorden.