Magdeburg (dpa/sa) - Angesichts steigender Infektions- und Todeszahlen beraten Bund und Länder am Sonntag in einer Videoschalte über strengere Corona-Regeln ab kommender Woche. Auch in Sachsen-Anhalt breitet sich das Virus inzwischen in einer Geschwindigkeit aus, die das Gesundheitssystem mancherorts an den Rande der Belastbarkeit bringt.

Zu Beginn des bisherigen Teil-Lockdowns Anfang November hatte es in Sachsen-Anhalt seit den ersten Fällen im Frühjahr 14 640 Corona-Nachweise gegeben. Inzwischen sind es 18 179 - das ist eine Steigerung von gut 24 Prozent in knapp sechs Wochen, in denen die Infektionszahlen eigentlich deutlich sinken sollten.

Halles Krankenhäuser schlugen am Samstag bereits Alarm. "Bei einem weiteren Anstieg der Covid-19-Fallzahlen droht kurzfristig die Überlastung der Versorgungsstrukturen", zitierte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Samstag aus einer aktuellen Stellungnahme der Kliniken. "Dieser weitere Anstieg ist hochwahrscheinlich, wenn nicht sofort weitere drastische Kontakteinschränkungen erfolgen." Wiegand forderte wie Grüne und Linke einen harten Lockdown in der kommenden Woche.

Zur Debatte stehen eine Aussetzung der Schulpflicht und Schließungen von Geschäften, die nicht Lebensmittel oder Medikamente verkaufen. Die Maßnahmen könnten bereits ab Mitte kommender Woche in Kraft treten. Bisher hatte Sachsen-Anhalt versucht, Schulen, Kitas und Einzelhandel so lange wie möglich offen zu halten.

Angesichts der hohen Infektionszahlen in ganz Deutschland sind strengere Regeln von der nächsten Woche an wahrscheinlich. "Da muss sich unsere Gesellschaft auf einen harten Lockdown einstellen, und so wie es sich abzeichnet, eher vor Weihnachten und nicht erst nach Weihnachten", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach einer Corona-Schalte mit Merkel und den Ministerpräsidenten der Union am Samstag.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wollte die Beratungen mit der Kanzlerin im Vorfeld nicht kommentieren. Erst am Sonntagnachmittag will sich der Chef einer schwarz-rot-grünen Koalition zu den Beschlüssen äußern. Zuvor soll noch das Kabinett informiert werden. Die genauen Folgen der Schalte für das Land will Haseloff dann am Montag auf einer Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und eventuell weiteren Kabinettsmitgliedern erläutern.