Berlin/Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat wenige Tage vor dem Jahrestag des Mauerfalls dafür geworben, sich der Erfolgsgeschichte der Deutschen Einheit stärker bewusst zu werden. Das Erreichte und die enorme Aufbauleistung prägten bis heute zu wenig das Selbst- und Geschichtsbewusstsein der Deutschen, sagte der CDU-Politiker am Freitag bei seiner Antrittsrede als Bundesratspräsident in Berlin. Er warb in der Länderkammer auch für mehr gegenseitiges Verständnis.

Nach 40 Jahren Teilung gebe es neben den Gemeinsamkeiten weiterhin Trennendes, betonte Haseloff. Gerade über die Einschnitte in das Leben vieler Ostdeutscher sei bisher viel zu wenig gesprochen worden - und wenn, dann mit zu wenig Empathie. Es habe neben einem enormen Gewinn an Freiheit auch Enttäuschungen und unerfüllte Hoffnungen gegeben.

Der Regierungschef erinnerte an die großen Montagsdemonstrationen vor 31 Jahren in der DDR, die in der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze mündeten. Wer die Unfreiheit erlebt habe, werde die Freiheit immer zu schätzen wissen. "Für die allermeisten Deutschen wird deshalb der 9. November 1989 stets ein Tag großer Freude bleiben."

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident hat am 1. November den Vorsitz des Bundesrats für ein Jahr übernommen. In dieser Funktion leitet er die Sitzungen und repräsentiert die Länderkammer nach außen. Zum Start seiner Amtszeit hob Haseloff die Vorteile des Föderalismus hervor, auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Unterschiedliche Lagen erforderten unterschiedliche Maßnahmen. "Das Virus muss in einer Großstadt anders bekämpft werden als in dünn besiedelten Regionen."

Antrittsrede von Ministerpräsident Haseloff als Bundesratspräsident