Halle (dpa/sa) - Die erste von vier Wochen des Teil-Lockdowns liegt hinter Sachsen-Anhalt, das neuartige Virus breitet sich weiter mit einer Geschwindigkeit aus, die die zur Eindämmung wichtige Nachverfolgung der Infektionsketten vielerorts unmöglich macht. Etwa bis zu 50 Neuinfektionen pro Woche und 100 000 Einwohner können die Behörden erfolgreich zurückverfolgen - in Sachsen-Anhalt lag der Wert am Wochenende bei etwa 62. Am Samstag meldete das Gesundheitsministerium 101 Neuinfektionen, am Sonntag 152.

Schwerpunkte der Pandemie in Sachsen-Anhalt sind momentan der Landkreis Jerichower Land und die angrenzende Landeshauptstadt Magdeburg. Drei Menschen starben in Sachsen-Anhalt seit Samstagmittag während einer Infektion, alle drei stammten aus den beiden Kreisen. Im Jerichower Land steckten sich in den vergangenen sieben Tagen von 100 000 Einwohnern durchschnittlich knapp 105 mit dem neuartigen Virus an, in Magdeburg knapp 88.

Am Montag waren in ganz Deutschland die schärfsten Corona-Regeln seit dem Frühjahr in Kraft getreten, so mussten Restaurants und Bars schließen, touristische Reisen sind verboten, vielerorts herrscht auch draußen eine Maskenpflicht. Ein Effekt auf die Infektionszahlen war bei vorigen Einschränkungen erst nach mehreren Tagen eingetreten. Landes- und Kommunalpolitiker legten im Kampf gegen die Ausbreitung des gefährlichen Virus dennoch bereits nach.

So gilt ab Montag in Sachsen-Anhalts staatlichen Schulen außerhalb des Unterrichts eine Maskenpflicht. Grünen Fraktionschefin Cornelia Lüddemann forderte außerdem, Luftreinigungsgeräte für die Schulen anzuschaffen. "Wir müssen als Land schnell handeln, bevor der Markt leer gefegt wird", sagte Lüddemann am Samstag. Oberstes Ziel sei es, das Recht auf Bildung auch in der Pandemie aufrechtzuerhalten. Es brauche dafür eine Gesamtstrategie, die Bildungsminister Marco Tullner (CDU) endlich ausarbeiten müsse.

Um die drängendsten Probleme zu lösen, sollen 4500 Geräte angeschafft werden, sagte Lüddemann. Sie sollen dort Abhilfe schaffen, wo aufgrund der baulichen Umstände schwer gelüftet werden kann. Untersuchungen der Bundeswehrhochschule München und des Umweltbundesamtes Dessau-Roßlau hätten gezeigt, dass Luftreinigungsgeräte in solchen Fällen ein wirksames Mittel sind.

Das Land baute außerdem seine Teststrategie aus und orderte im Laufe der Woche eine halbe Million Corona-Schnelltests, mit denen Bewohner und Personal in Pflegeeinrichtungen durchgetestet werden sollen. Erste Tests gingen Ende der Woche bereits nach Wittenberg und Halle, die Saalestadt startete direkt im Anschluss eine Test-Offensive.

Bis zum Sonntagabend sollten alle 51 Einrichtungen in Halle Angestellte und Bewohner getestet haben. Bis zum Sonntagnachmittag seien die Ergebnisse von 16 Einrichtungen eingegangen, in drei Einrichtungen habe es positive Ergebnisse bei den Schnelltests gegeben, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) auf einer Pressekonferenz. Da die Schnelltests unzuverlässiger sind, wurden die Betroffenen im Anschluss mit dem herkömmlichen Verfahren getestet und sollten zu Hause bleiben, bis zu Ergebnisse vorliegen.

Pressekonferenz Wiegand