Genthin (dpa) - Der Verbandspräsident der Elektroindustrie, Michael Ziesemer, hat eine Weiterbildungsoffensive angemahnt, um die Digitalisierung zu bewältigen. So müssten etwa die Unternehmen in der Elektroindustrie den Wandel im Wesentlichen mit den Belegschaften bewerkstelligen, die sie hätten, sagte der Chef des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) am Mittwoch bei einer Diskussionsrunde in Genthin bei Magdeburg. Es fehle an Fachkräften auch fern der gefragten Softwareentwickler und Ingenieure.

Wichtigstes Thema für erfolgreichen digitalen Wandel bleibe die flächendeckende Versorgung mit Breitband und ein Zugang zum neuen Mobilfunkstandard 5G für die Industrie. Es sei entscheidend, dass zeitnah die Möglichkeit komme, als Unternehmen lokale Frequenzen kaufen zu können, um vor Ort selbst ein 5G-Netz aufzubauen.

Die deutsche Elektroindustrie beschäftigt laut ZVEI rund 900 000 Mitarbeiter, darunter knapp 70 000 in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) diskutierte in Genthin mit. Haupthemmnis für den Netzausbau sei fehlendes Personal für die Verlegung der Kabel. "Die ganze Branche ist leergelutscht", sagte er. Es brauche dauerhaft mehr Personal für Infrastrukturarbeiten.

Die Bundesregierung hatte ihr selbstgestecktes Ziel verfehlt, dass bis Ende 2018 alle Haushalte und Unternehmen Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde nutzen können. Stattdessen soll in den nächsten Jahren überall das 20 Mal so schnelle Gigabit-Netz verfügbar sein.

Sachsen-Anhalt bleibt Schlusslicht beim Ausbau: Ende 2018 lag die Versorgung mit 50 Megabit pro Sekunde laut Bund bei knapp 68 Prozent. Gut 6 Prozent der Haushalte konnten auf ein Gigabit-Netz zugreifen. Zum Vergleich: In Thüringen lag die Gigabit-Versorgung bei 14 Prozent, in Sachsen bei 31,5 Prozent.

Breitbandatlas der Bundesregierung mit aktuellen Versorgungsgeschwindigkeiten