Großzöberitz (dpa/sa) - Bauen mit Lehm ist in Vergessenheit geraten und soll jetzt wiederbelebt werden. "In Mitteldeutschland haben wir den größten noch bestehenden Baubestand an massiven Lehmgebäuden in Mitteleuropa", sagte eine der Initiatorinnen des Projektes "GOLEHM", Franziska Knoll, von der Universität Halle, am Donnerstag in Großzöberitz (Landkreis Anhalt-Bitterfeld). "Sachsen-Anhalt verfügt über ein einzigartiges Lehmbauerbe, das sich rund 7500 Jahre zurückverfolgen lässt."

"Ein zentrales Innovationspotenzial in Sachsen-Anhalt liegt in der Tradition des geschichtsträchtigen Landes", sagte Landesarchäologe Harald Meller. Hier gebe es noch Tausende Häuser aus Lehm - eine ideale Voraussetzung, um diese Tradition fortzusetzen. Der Rohstoff ist einfach über kurze Transportwege verfügbar, mit wenig Energieaufwand zu verarbeiten, komplett recycelbar und damit nahezu klimaneutral.

"Geplant ist, neue Sanierungsrichtlinien für bestehende Lehmmassivbauten zu erarbeiten", sagte der Berliner Lehmbauexperte Christof Ziegert (ZRS Ingenieure GmbH, Berlin). Ebenso gehe es um die Erschließung und Zertifizierung von Rohstoffvorkommen, die Entwicklung neuer Lehmbaustoffe und innovative, praktikable Lösungen für Lehmneubauten.

"Bauen mit Lehm ist vor allem aus raumklimatischen Gründen wieder beliebt und jetzt kommen die Planer, Produzenten und Handwerker kaum hinterher", sagte Ziegert. Derzeit seien es vor allem die jungen Familien, die sich ein Bestandsgebäude auf dem Land ausbauen. "Der Fachkräftemangel ist erstaunlicherweise weniger ausgeprägt als in anderen ähnlichen Gewerken, trotzdem ist der Bedarf an Fachkräften groß", sagte der Lehmbauexperte.

Derzeit ist der tragende Massivlehmbau nur für Ein- und Zweifamilienhäuser zulässig. Für öffentliche Gebäude muss in der Regel eine Zustimmung im Einzelfall erwirkt werden. Sachsen-Anhalt nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. "Nach über einem halben Jahrhundert ist das geplante Besucherzentrum am Ringheiligtum Pömmelte (Lkr. Salzlandkreis) der erste öffentliche Massivlehmbau in Mitteldeutschland", sagte der Staatssekretär für Kultur, Gunnar Schellenberger. Das Gebäude soll im Frühsommer 2021 entstehen.

"GOLEHM" wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in der ersten Runde des Programms "WIR! Wandel durch Innovation in der Region" von September 2020 bis Mai 2021 mit knapp 230 000 Euro gefördert. Initiiert wurde das Bündnis durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, in Kooperation mit ZRS Ingenieure, Berlin, sowie die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.