Magdeburg (dpa) - Der Angeklagte im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle hat sich in der U-Haft mit Ausnahme seines Fluchtversuchts im Mai bislang unauffällig verhalten. "Er verhält sich im Prinzip so, wie man sich das von einem Gefangenen wünscht", sagte eine Vollzugsbeamte der JVA Halle am Mittwoch vor Gericht. "Er kann Guten Tag, Bitte und Danke sagen", sagte einer seiner jetzigen Wächter aus der JVA Burg, das sei nicht selbstverständlich. Der 28-Jährige war zunächst in der JVA Halle inhaftiert gewesen, nach einem Fluchtversuch aber in das Hochsicherheitsgefängnis Burg verlegt worden.

"Sehr außergewöhnlich" sei allerdings, sagte die Beamtin aus Halle, dass er sich in der Isolation im Gefängnis offenbar wohlfühle. Die drei Kollegen bestätigten das. Ein Mitarbeiter des psychologischen Dienstes der JVA-Halle sagte, der Angeklagte wolle unbedingt als schulfähig begutachtet werden. Er würde sich "furchtbar darüber aufregen", sollte man seine Zurechnungsfähigkeit infrage stellen, sagte der Mann, der in den ersten Haftwochen fast täglich mit dem Angeklagten gesprochen hatte. Zum Ende der Beweisaufnahme wird das psychiatrische Gutachten im Prozess erwartet, das Gericht peilt dafür Anfang November an.

Das Verfahren um den Anschlag läuft seit Juli. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker anzurichten. Nachdem er nicht in das Gotteshaus gelangte, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und kurz darauf einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss. Der 28 Jahre alte Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungserzählungen begründet. Der Prozess läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg, findet aus Platzgründen aber in Magdeburg statt.

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