Dessau-Roßlau (dpa/sa) - Die Evangelische Landeskirche Anhalts bricht mit einer langen Tradition: Kirchengemeinden müssen ab dem 1. Januar 2021 keine Dienstwohnungen für Pfarrer mehr vorhalten. Das beschloss die Synode der Landeskirche am Samstag auf ihrer Sitzung in Dessau-Roßlau. Unabhängig davon besteht jedoch weiter die sogenannte Residenzpflicht, die besagt, dass Pfarrer im Bereich ihrer Kirchengemeinden wohnen müssen.

Bislang waren Pfarrerinnen und Pfarrer verpflichtet, in einem Pfarrhaus in ihrem Gemeindebereich zu wohnen. Dieses wurde ihnen als Dienstwohnung zugewiesen. Ab 2021 können die Gemeinden ihre Pfarrhäuser nun frei vermieten, auch direkt an Pfarrer. Trotz Residenzpflicht können Pfarrer, die im Bereich ihrer Kirchengemeinden wohnen müssen, nun ihre Wohnung frei wählen.

In der Evangelischen Landeskirche Anhalts sind den Angaben zufolge rund 40 Pfarrhäuser als Pfarrdienstwohnung ausgewiesen. Rund 25 davon werden von Pfarrerinnen und Pfarrern bewohnt. Darüber hinaus gibt es weitere 35 Pfarrhäuser im Besitz der Kirchengemeinden, die entweder vermietet sind oder leer stehen.

Die Landessynodalen verabschiedeten auch den Haushaltsplan für 2020. Er sieht Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 17,6 Millionen Euro vor. In diesem Jahr sind es 17,5 Millionen Euro. Haupteinnahmen sind Kirchensteuern, Staatsleistungen und der Finanzausgleich der Evangelischen Kirchen in Deutschland. Hinzu kommen Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Als Vorsitzender des Finanzausschusses der Synode sagte Ullrich Hahn: "Die Landeskirche wird auch 2020 einen soliden, ausgeglichenen Haushalt haben. Wir müssen allerdings auch weiterhin so sparsam und sorgsam mit Haushaltsmitteln umgehen wie bisher."

Als Träger von vier freien Grundschulen fühlt sich die Evangelische Landeskirche Anhalts vom Land im Stich gelassen. "Nach wie vor sind die Personalkostensätze nicht geregelt", sagte die für den Bereich Bildung zuständige Oberkirchenrätin Ramona Eva Möbius in ihrem Bericht an die Synode. Die Personalkostensätze sind der Zuschuss, den freie Schulen von der öffentlichen Hand bekommen. Gemeinsam mit anderen freien Schulträgern bereitet die Evangelische Landeskirche Anhalts deshalb eine Klage gegen das Land vor, da auch weitere Fragen der Finanzierung noch ungeklärt seien.

Wie die Dezernentin weiter sagte, müssten die anhaltischen Kirchengemeinden verstärkt die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, Vereinen und Verbänden suchen. Dies sei gerade im ländlichen Bereich wichtig. "Durch offene und transparente Kommunikation, durch das Knüpfen von Netzwerken und gute Nachbarschaftsgestaltung kann das Gemeindeleben bereichert und auch die Rolle der Kirche und Diakonie im Gemeinwesen gestärkt werden."