Magdeburg (dpa/sa) - Maskierte Mitarbeiter, Verkehrsregeln auf dem Boden und Verkäufer, die einen heraus statt hereinbitten - von einer Rückkehr zur Normalität kann keine Rede sein, wenn viele Läden in Sachsen-Anhalt am Montag nach einem Monat wieder öffnen können. Am Wochenende bereiteten sich die Einzelhändler auf die Rückkehr ins Geschäft vor.

Die Landesregierung hatte die Lockerung vorige Woche in Einklang mit der Bund-Länder-Einigung auf die Fortsetzung der Corona-Regeln beschlossen. Demnach dürfen Geschäfte, die weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, ab Montag wieder öffnen. Ausgenommen von der Quadratmeter-Regelung sind Autohäuser und weiterhin Supermärkte, Baumärkte, Buchläden und Fahrradgeschäfte. Dabei müssen die Geschäfte jedoch strenge Regeln beachten. Neben der Abstandsregel müssen die Einzelhändler sicherstellen, dass pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche sich nur ein Kunde gleichzeitig im Laden aufhält.

Der Einzelhandel hatte die Lockerung weitestgehend begrüßt. "Bei kleinen Geschäften herrscht natürlich große Erleichterung", sagte Arno Frommhagen, Sprecher Interessengemeinschaft Innenstadt Magdeburg. Einige seiner Mitglieder seien jedoch auch etwas zögerlich und verängstigt, dass sie die trotzdem noch geltenden Abstands- und Hygieneregeln nicht werden einhalten können. Die Einzelhändler wollten sich aber streng an die Regeln halten, um keine Rücknahme der Lockerungen zu riskieren, sagte Frommhagen. Viele Händler würden dazu etwa ihre Ständer und Aufsteller umstellen, um größere Gänge dazwischen zu schaffen.

Dennoch gebe es auch viel Kritik am Beschluss der Regierung, vor allem an der Begrenzung auf 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. "Warum man sich in einem großen Buchladen nicht anstecken können soll, in einem anderen großen Geschäft aber schon, erschließt sich mir nicht", sagte Frommhagen. Bisher hätten die meisten Einzelhändler die Restriktionen mitgetragen, dieser Rückhalt bröckele nun langsam. Die "Gleichmacherei" zwischen den Ländern trotz sehr unterschiedlicher Infektionszahlen sei ebenfalls unverständlich. Nach Einschätzung von Frommhagen können dennoch "weit über 80 Prozent" der Einzelhändler in der Landeshauptstadt am Montag aber wieder öffnen.

Viele davon - 125 um genau zu sein - vereint das Allee-Center in der Magdeburger Innenstadt unter seinem Dach. "Im Normalfall haben wir an einem durchschnittlichen Tag ohne Corona 30 000 Leute im Center", sagte Center-Managerin Petra Kann. In den vergangenen Wochen seien es pro Tag nur etwa 20 Prozent davon gewesen. Fünf Mietpartner hätten eine größere Fläche als 800 Quadratmeter. Das seien Bekleidungsgeschäfte, ein Sportgeschäft und ein Fachmarkt für Unterhaltungselektronik. Weil auch Friseure und ein Nagelstudio geschlossen bleiben müssten, könnten etwa 115 Läden ihre Türen am Montag öffnen.

Den Kundenstrom will Kann mit einer Art Verkehrsordnung im Center kanalisieren. "Wir planen ein Einbahnstraßen-System", sagte Petra Kann. Aufkleber sollten die Menschen durch enge Passagen führen und gewährleisten, dass man sich nicht zu nahe kommt. Wartende müssten so positioniert werden, dass jemand vorbeilaufen könne.

Zudem seien Sitzmöbel, die zum Verweilen einladen, entweder weggeräumt oder abgesperrt worden. "Die Aufenthaltsqualität und dass die Leute sich Zeit nehmen, ist erstmal gestrichen", sagte die Center-Managerin. Es werde Aushänge zu den Regelungen geben und auch Durchsagen. Und am Montag werde genau auf die Besucherzahlen geschaut. "Ich hoffe, dass wir Montag nicht überrannt werden, sondern dass es sich nach und nach einspielt."

Diese Befürchtung teilt Wolfgang Fleischer von der Citygemeinschaft Halle nicht. "Das Wichtigste ist, dass am Montag die Kunden kommen", sagte Fleischer. Der Inhaber eines Wäschegeschäfts ist sehr erleichtert, dass die Geschäfte nun größtenteils wieder öffnen dürfen. "Es ist Licht am Horizont, darüber freuen wir uns". Auch Fleischer gelobt, dass die Mitglieder seines Verbandes sich an die Regeln des Landes und der Stadt Halle halten werden.

Absperrungen mit Kordeln sollen all zu dichten Kontakt zwischen den Kunden und Mitarbeitern verhindern. Desinfektionsmittel und Mundschutze stehen in allen Geschäften für die Verkäufer bereit. Das Personal soll außerdem darauf achten, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig in die Läden strömen. Die Kritik an der Quadratmeter-Begrenzung teilt Fleischer nicht ganz. Natürlich seien große Läden auch für die Innenstädte wichtig. "Aber die kleinen Geschäfte sind das Salz in der Suppe - die Großen gibt's überall".