Erfurt (dpa) - Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat vor den Folgen des Klimawandels für kirchliche Kunst- und Kulturgüter gewarnt. "Von Klimaschäden sind auch Kirchen betroffen", sagte die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Brigitte Andrae, beim traditionellen Kamingespräch mit Landesbischof Friedrich Kramer am Montagabend in Erfurt. Es gehe nicht nur um die Gebäude selbst, sondern auch um das Innere der Gotteshäuser, etwa Heiligenfiguren und gotische Schnitzaltäre, sagte Andrae.

Zwar bringe die Kirche eigene Mittel und Drittmittel auf, um Arbeiten zu sichern und plane vorbeugende Maßnahmen, mit denen etwa das Raumklima in den Gotteshäusern reguliert werden könne. "Aber das schaffen wir nicht allein", sagte Andrae. Mehr Unterstützung sei nötig, zumal es sich oft auch Kulturdenkmäler handle, die der gesamten Gesellschaft zugute kämen.

Jahrhundertealte Altäre, Schnitzfiguren und Malereien reagierten sehr empfindlich auf wechselnde oder überhöhte Temperaturen, hieß es bei der EKM weiter dazu. Die beiden trockenen Sommer 2018 und 2019 hätten teilweise verheerend gewirkt.

Aber auch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Waldbesitz der EKM seien ein Problem, berichtete Andrae - etwa 13 000 Hektar besitzt die EKM. "250 000 Festmeter Holz sind seit 2018 größtenteils durch Sturm, Insektenbefall, Dürre und Wind geschädigt worden", sagte Andrae.

Das führe zu einem ökologischen Problem, da der Kirchenwald jährlich etwa 84 500 Tonnen des klimarelevanten Kohlenstoffdioxids (CO2) speichere. Aber auch ökonomische Schwierigkeiten seien die Folge. Demnach müssten etwa jährlich 520 000 Euro investiert werden, für geschützte Laubholz-Anpflanzungen. Dabei habe es durch die Holzschwemme auf dem Markt 2019 keine Erträge aus den EKM-Wäldern gegeben.

Die Kirche appelliere daher an die Politik, eine Flächenprämie pro Waldhektar und CO2-Bindung einzuführen. Gelder aus den Forsterträgen der Kirche fließen etwa in die Besoldung der Pfarrer.

Auch Drohungen gegen Kirchenspitzen und Mitarbeiter waren Thema am Montagabend. Inzwischen sei deutlich, dass auch leitende Geistliche bedroht werden, sagte Landesbischof Kramer. "Wir haben in Kassel und nicht zuletzt in Halle gesehen, dass es eine reale Bedrohung ist", so Kramer weiter. Diese müsse ernst genommen werden. Aber man dürfe sich deshalb nicht aus Angst verschreckt zurückziehen, sondern solle sich solidarisieren.

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wegen seines Engagements zur Entsendung eines Flüchtlingsschiffes ins Mittelmeer nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten hat.

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