Halle/Naumburg (dpa/sa) - Das Krokodil, das angeblich in der Unstrut in Sachsen-Anhalt gesehen wurde, ist laut Polizei weiterhin spurlos verschwunden. Aber: Es hätte aus Expertensicht momentan relativ gute Überlebenschancen - und könnte theoretisch mit der Strömung der Flüsse bis nach Hamburg gelangen. "Wenn es denn tatsächlich ein echtes Krokodil wäre", sagte der promovierte Forscher Oliver Wings von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Krokodile seien wechselwarme Tiere, die sich Temperaturen von über 20 Grad ebenso wie dem einstelligen Bereich anpassen könnten.

Ein aus einem Terrarium stammendes Tier würde sich vermutlich in Freiheit erst einmal irgendwo am Fluss verstecken und abwarten, bis die Sonne scheint, um für den Körper ausreichend Wärme zu tanken. Zudem sei es im Gegensatz zu freilebenden Tieren an die Fütterung durch den Menschen gewöhnt.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin ist bislang nicht bekannt, ob das vermeintliche Krokodil bei den Behörden in Sachsen-Anhalt angemeldet war oder illegal gehalten wurde. Angler hatten der Polizei am Freitag Hinweise gegeben, dass ein Exot in der Unstrut gesichtet wurde. Dies sei nach wie vor ernst zu nehmen, sagte die Polizeisprecherin.

Die Tierrechtsorganisation Peta forderte unterdessen in einer Mitteilung ein generelles Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathaushalten. Es sei keine Seltenheit, dass exotische Lebewesen in Wäldern, auf Feldern und in Badeseen ausgesetzt würden. Viele Halter kauften sich den Angaben nach die Tiere unüberlegt auf Börsen und im Internet und seien nach kurzer Zeit mit den Ansprüchen der Exoten überfordert. Ein Lebewesen dann einfach zu "entsorgen", sei nicht nur gefährlich für Menschen und andere Tiere, sondern verstoße auch gegen das Tierschutzgesetz.

Forscher Wings erklärte zudem: "Ein Krokodil kann durchaus schnell wandern, theoretisch könnte es mit der Strömung von der Unstrut aus in den nächsten Wochen bis nach Hamburg kommen." Nahrung fände es zum Beispiel mit Fischen oder Enten. "Krokodile sind, obwohl sie eigentlich scheu dem Menschen gegenüber sind, gefährliche Tiere. Sie wirken langsam, können aber blitzschnell mehrere Meter aus dem Wasser rausspringen", sagte der Wissenschaftler.

Deshalb gelte es unbedingt die Anordnungen einzuhalten, und nicht im Fluss zu baden und keine Haustiere wie Hunde ins Wasser zu lassen. "Denn es muss sich jeder Mensch dem kleinen Risiko bewusst sein, dass es wirklich wahr sein könnte, dass es ein echtes Krokodil ist", warnte der Wissenschaftler. Nach Angaben eines Sprechers des Burgenlandkreises gilt weiterhin die Allgemeinverfügung, wonach das Baden in der Unstrut vorerst aus Sicherheitsgründen verboten ist. Mit einem Großaufgebot an Rettungskräften und freiwilligen Helfern war über das Wochenende nach einem Krokodil im Fluss gesucht worden. Die Aktion wurde ohne Erfolg eingestellt, wie der Sprecher betonte.

Badeverbot des Burgenlandkreises per Allgemeinverfügung

Homepage des Wissenschaftlers Dr. Oliver Wings der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg