Magdeburg (dpa/sa) - Lange gab es vergleichsweise wenige Corona-Fälle in Sachsen-Anhalt, inzwischen hat sich das komplett gedreht. Statt ganz hinten steht Sachsen-Anhalt inzwischen hinter Thüringen, Sachsen und Brandenburg auf Platz vier und meldet eine deutlich höhere Belastung als im Bundesschnitt, wie Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Mittwoch sagte. "Das kann nicht so bleiben." Die Zahlen müssten gedrückt werden. Dabei soll vor allem die Verlängerung des Lockdowns mit den bestehenden Regeln bis Mitte Februar helfen. Doch es gibt auch Änderungen. Was ab Montag gilt:

MASKEN: Die sogenannten Alltagsmasken aus einfachem Stoff haben ausgedient. Beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr müssen die Menschen jetzt eine OP-Maske oder eine FFP2-Maske tragen. Während die meist hellblauen OP-Masken günstig zu bekommen sind, kosten die Arbeitsschutzmasken nach dem FFP2-Standard mehrere Euro und sind eigentlich zum einmaligen Gebrauch gedacht.

Die Linke im Magdeburger Landtag begrüßte die schärferen Vorgaben für die Maskenpflicht als sinnvolle Schutzmaßnahme. Im Gegenzug müsste der Staat jedoch die besser schützenden Masken kostenlos bereitstellen, forderte Landtagsfraktionschefin Eva von Angern. Ansonsten würden die Verschärfungen für Menschen in der Grundsicherung oder mit niedrigem Einkommen de facto Hausarrest bedeuten. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte, es liefen Gespräche mit den Landkreisen über die Frage, ob Masken für Menschen in Grundsicherung kostenlos abgegeben werden könnten.

HOTSPOTS: Drei Viertel der Bevölkerung Sachsen-Anhalts seien derzeit "hohen Inzidenzen, mit Spitzenwerten in Deutschland" ausgesetzt, rechnete Ministerpräsident Haseloff vor. Vor allem im Süden liegen die Kreise zum Teil weit über der höchsten Alarmstufe von 200 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern und Woche. In diesen Hotspots müssten die Vorschriften deutlich verschärft und lange aufrechterhalten werden, unterstrich Haseloff. Ein "ständiges Hin und Her" sei nicht nur unwirksam bei der Eindämmung der Pandemie, sondern gefährde auch die Akzeptanz der Einschränkungen in der Bevölkerung.

Trauriger Spitzenreiter ist derzeit der Burgenlandkreis mit 465,76 Fällen je 100 000 Einwohnern und Woche. "Das letzte Instrument, das uns jetzt noch bleibt, ist das Thema der Ausgangsbeschränkungen", sagte Landrat Götz Ulrich (CDU) am Mittwoch mit Blick auf geforderte Verschärfungen. In seinem Kreis seien binnen einer Woche 100 Menschen nach einer Corona-Infektion gestorben. Das ist fast die Hälfte der 213 seit Beginn der Pandemie verzeichneten Corona-Sterbefälle.

FALLZAHLEN: Das Gesundheitsministerium meldet weiterhin eine leichte Entspannung bei der Corona-Infektionslage. Am Mittwoch betrug die Zahl der Fälle je 100 000 Einwohnern und Woche 231,3. Das war ein geringerer Anteil als am Vortag (233,7) und auch weniger als am Mittwoch vor einer Woche (260,9). Damit liegt Sachsen-Anhalt noch weit über den Bundesschnitt, den das Robert Koch-Institut am Mittwoch mit 123,5 angab. Die Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt meldeten binnen eines Tages 44 weitere Sterbefälle. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 starben 1316 Menschen mit einer Corona-Infektion.

HOMEOFFICE: Viele Unternehmen bieten ihren Angestellten bereits an, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Firmen, die das noch nicht tun, obwohl sie es könnten, sollen dazu verpflichtet werden. "Wir haben im Bereich des Homeoffice noch erhebliche Potenziale, die wir heben können, um die Infektionszahlen nach unten zu bekommen", sagte Haseloff. Bundearbeitsminister Hubertus Heil (SPD) legte seinen Kabinettskollegen bereits eine entsprechende Verordnung vor.

Der Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, Hagen Mauer, kritisierte, die angekündigte Homeoffice-Verpflichtung samt Strafen bei Missachtung sei übermäßig und sorge für zusätzlich zur schwierigen Corona-Lage für Belastungen und Bürokratie für die Betriebe. Gleichzeitig appellierte er an alle Firmen, hohe Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten und möglichst viel Homeoffice zu ermöglichen.

KONTAKTREGELN: Bei privaten Treffen dürfen nicht mehr als ein Haushalt und eine weitere Person zusammenkommen. Das soll prinzipiell so bleiben, obwohl Gesundheitsministerin Grimm-Benne einräumte, dass das zu einigen sehr "komplizierten Fallgestaltungen" führt. Doch für Familien mit Kindern soll es ab Montag zumindest ein bisschen leichter werden, sich regelkonform zu verhalten. So werden Kinder unter drei Jahren nicht mehr mitgezählt. Zudem ist es erlaubt, dass Familien einander unterstützen und Kinder aus bis zu zwei Haushalten gemeinsam betreut werden. Dabei werde darum gebeten, möglichst feste Betreuungsgruppen zu bilden, sagte Grimm-Benne.

SCHULEN UND KITAS: Die neuen Kontaktregeln für Familien sind begründet, denn Schulen und Kitas bleiben bis mindestens Mitte Februar geschlossen. Zwar gibt es eine Notbetreuung für die Kleinsten sowie für Schülerinnen und Schüler bis zur sechsten Klasse. Sie kann aber nur von Eltern mit systemrelevanten Jobs beansprucht werden - und soll auch möglichst wenig genutzt werden, um die Kontakte und damit verbundene Ansteckungsrisiken zu minimieren.

Daher blieben auch die Schulen im Notbetrieb, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Er werde jede Öffnungsperspektive nutzen, die sich biete, beim jetzigen Infektionsgeschehen biete sie sich aber nicht. Sollte der Lockdown bis Mitte Februar die Ansteckungen deutlich eindämmen, sei er optimistisch, dass ab 15. Februar erste Lockerungen für weitere Jahrgänge möglich sind.

Derzeit kommen nur die Abschlussklassen zum Präsenzunterricht in die Schulen, alle anderen haben Aufgaben für zuhause. Obwohl die meisten Kinder und Jugendlichen seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule waren, soll es regulär Halbjahreszeugnisse geben. Wo noch Noten fehlten, könnten auch Leistungen im Fernunterricht bewertet werden, sagte Tullner. Zudem sei es möglich, mit der Begründung Corona auf Bewertungen in einzelnen Fächern wegen Notenmangels zu verzichten.