Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalts Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch hat großes Verständnis für Menschen, die Jahrzehnte nach dem Ende der DDR Einsicht in ihre Stasi-Akten beantragen. Auch sie gehöre zu denen, die lange abgewartet haben, sagte die 64-Jährige am Dienstag in Magdeburg. Nach Angaben der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, haben 2017 in Sachsen-Anhalt knapp 6300 Menschen einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt, etwa 3200 davon zum ersten Mal. "Ich kann ihnen sagen, da wird es sicher in Zukunft auch noch mehrere geben. Mein Mann und ich zählen selbst dazu", sagte Brakebusch.

"Wir haben viele, viele Jahre im Sperrgebiet gelebt. Mein Mann hatte den Antrag gestellt und hat ihn wieder zurückgezogen, weil wir dann gemerkt haben, dass aus der Familie, aus dem engsten Freundeskreis mit einmal der eine oder andere auch schon ins Spiel kam, so dass wir gesagt haben: Das können wir jetzt überhaupt nicht verarbeiten. Wir wollten das auch nicht verarbeiten."

Inzwischen wollten sie und ihr Mann aber doch mehr über die Vergangenheit erfahren: "Das kommt jetzt so langsam, da auch etliche schon verstorben sind: Ich will es doch wissen. Wer war's denn?", sagte Brakebusch. "Wir wollten uns wirklich Zeit lassen."

Infos zur Landesbeauftragten und ihrer Arbeit