Chemnitz (dpa) - Die ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie hat 2019 erstmals seit mehreren Jahren nicht den Umsatz des vorherigen Geschäftsjahres erreicht. Nach 1,87 Milliarden Euro 2018 setzten die Unternehmen nach vorläufigen Berechnungen des Branchenverbandes vti im vergangenen Jahr rund 1,8 Milliarden Euro um, wie der Verband am Freitag in Chemnitz vor Journalisten mitteilte.

"Das Gesamtergebnis von Textil und Bekleidung für 2019 kann sich trotz der Probleme - insbesondere spürbare Verluste bei einigen Automobilzulieferern - sehen lassen", sagte vti-Hauptgeschäftsführer Jenz Otto. Neben der geringeren Nachfrage nach technischen Textilien für die Autoproduktion belasten die Firmen die Handelsbeschränkungen im Russland-Geschäft. Dennoch blicken die Unternehmen laut Otto zuversichtlich auf 2020.

Angesichts der rückläufigen Umsatzentwicklung warnte der Verband vor weiteren Belastungen. Mit einem Anteil von 45 Prozent am Gesamtumsatz seien die Unternehmen sehr exportabhängig und den Turbulenzen auf den aktuellen Märkten ausgesetzt. "Jegliche politischen Maßnahmen oder bürokratischen Regulierungen, die ihnen zusätzlich das Leben schwer machen, beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit und sind daher fehl am Platze", warnte Otto und verwies vor allem auf die CO2-Gesetzgebung.

Der vti vertritt nach eigenen Angaben 180 der 350 Betriebe in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die Unternehmen beschäftigen rund 16 000 Mitarbeiter, davon 14 500 in Sachsen und Thüringen.