Hamburg (dpa) - Der Liedermacher Wolf Biermann (82) singt die deutsche Nationalhymne "aus einem sentimentalen Grund" nicht gerne. In einem "Stern"-Interview berichtete Biermann, wie er 1943 mit seiner Mutter auf der Hamburger Mönckebergstraße gestanden habe, als eine Nazikompanie das Deutschlandlied gegrölt habe.

"Ein SA-Mann riss meiner Mutter den Arm zum Hitlergruß hoch und trat ihr dabei in den Hintern. Dafür kann Hoffmann von Fallersleben nichts, der in edler Einfalt und Liebe zu Deutschland dieses Lied dichtete. Der geniale Komponist Joseph Haydn schon gar nicht. Aber ich kann auch nichts dafür", sagte Biermann in dem Gespräch.

Biermann, der im Hamburger Stadtteil Hammerbrook aufwuchs, siedelte im Jahr 1953 in die DDR über und veröffentlichte dort in den 60er Jahren erste Lieder und Gedichte. Wegen seines Engagements gegen das SED-Regime wurde ihm im Jahr 1976 nach einer Konzertreise in der BRD die Wieder-Einreise in die DDR verweigert.