Magdeburg/Halle (dpa/sa) - Das öffentliche Leben in Sachsen-Anhalt ist weiter gelähmt: Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus haben am Montag zahlreiche Städte und Landkreise ihre Gegenmaßnahmen verschärft. Weitere Sporthallen, Schwimmbäder und andere öffentlichen Einrichtungen sind oder werden geschlossen. Unter anderem schließen der zum Unesco-Welterbe zählende Naumburger Dom und das Hallesche Landesmuseum für Vorgeschichte, in dem die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt wird, für Besucher.

In der Stadt Halle gibt es Überlegungen, ob der Katastrophenfall ausgerufen wird. Auf die Frage, ob es auch in Halle Überlegungen gebe, wie in Bayern den Katastrophenfall auszurufen, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand am Montag, dass insbesondere die Krankenhäuser und das öffentliche Leben in der Coronavirus-Krise koordiniert werden müssen. "Deshalb gibt es auch hier Überlegungen."

Laut Katastrophenschutzgesetz des Landes Sachsen-?Anhalt gelten besondere Regeln, wenn der Katastrophenfall ausgerufen wird. So können etwa Sperrgebiete eingerichtet werden. Menschen in einem Katastrophengebiet sind aber auch unter anderem dazu verpflichtet, Anweisungen von Einsatzleitern zu befolgen, Fahrzeuge und andere Geräte zur Katastrophenabwehr zu Verfügung zu stellen oder bestimmte Gebiete zu verlassen.

Unterdessen wird nur noch am kommenden Dienstag eine Notbetreuung für alle Kinder gewährleistet. Die Landesregierung hatte beschlossen, Schulen und Kitas im Land zu schließen. In vielen Fällen folgten die Eltern den Appellen, die Notbetreuung nicht in Anspruch zu nehmen. "An den Schulen ist ganz wenig los", schilderte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Montag die ersten Rückmeldungen von Gymnasien und Sekundarschulen. In vielen Schulen sei niemand aufgetaucht. "Die Menschen gehen mit der Situation schon sehr verantwortungsvoll um."

In Halle nahmen Angaben der Stadt zufolge die Eltern von 7 Schulkindern und 26 Kitakindern die Notbetreuung in Anspruch. In Haldensleben wurden in den sieben städtischen Kitas und den drei städtischen Horten von 970 angemeldeten Kindern rund 100 gezählt, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. "Diese Zahl wird sich bis zum Inkrafttreten der Notbetreuung vermutlich noch verringern."

Von Mittwoch (18. März) an werden laut Sozialministerium nur noch Kinder solcher Eltern betreut, die zur Gruppe der unentbehrlichen Schlüsselpersonen gehören. Dazu zählen etwa medizinische, pflegerische und pharmazeutische Berufe, die Justiz, Landesverteidigung, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie Berufe, die zur Sicherstellung der öffentlichen Infrastruktur und Versorgung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln beitragen.

Nach Angaben des Sozialministeriums sowie der Städte Halle und Magdeburg gibt es in Sachsen-Anhalt derzeit rund 80 bestätigte Coronavirus-Infektionen. Wie das Sozialministerium am Montag mitteilte, haben sich 77 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. "Es sind bisher keine schweren Fälle bekannt", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Die Angaben haben jedoch einen zeitlichen Verzug. In den Zahlen sind beispielsweise vier Fälle aus Halle nicht mit aufgeführt, über die Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Montag informierte. In Halle standen am Montagnachmittag noch Ergebnisse von 110 Coronavirus-Tests aus. In der Fiebersprechstunde der Poliklinik Reil in Halle seien am Wochenende rund 160 Menschen betreut worden.