Magdeburg (dpa/sa) - Im Kampf gegen den Lehrermangel in Sachsen-Anhalt hat sich Wissenschaftsminister Armin Willingmann gegen eine weitere Erhöhung der Studienplätze ausgesprochen. Zuletzt seien zum zweiten Mal 1000 Erstsemesterplätze in Magdeburg und Halle angeboten worden, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Bei 5000 Abiturienten pro Jahr ist es eine Tatsache, dass das sehr, sehr viele Plätze sind." Eine weitere Erhöhung würde nur bewirken, dass Plätze frei blieben.

Zudem müsse bedacht werden, dass der Lehrermangel nicht endlos anhalte und ein Lehramtsstudium viele Jahre dauere. Zuvor hatte bereits Bildungsminister Marco Tullner (CDU) gesagt, dass 1000 Erstsemesterplätze "ein gutes Level" seien. "Jetzt aber ist die Fächersteuerung das A und O", sagte Tullner in einem Interview der "Magdeburger Volksstimme".

"Wenn 50 Spanischlehrer ausgebildet werden, ich aber nur 10 brauche und gleichzeitig Lehrer in Mint-Fächern oder Deutsch fehlen, kann ich nicht zufrieden sein", verwies der CDU-Politiker auf den hohen Bedarf bei Naturwissenschaften und Hauptfächern. Vor allem die Uni Halle sei in dieser Frage zu unflexibel.

In der Vergangenheit hatte auch die Opposition im Landtag gefordert, die Ausbildungskapazitäten an den Unis enger darauf auszurichten, in welchen Fächern und Schulformen künftig Personal gebraucht werde. Ändere das Land das nicht, entstehe in fünf bis zehn Jahren ein Mangel, sagte etwa Linken-Fraktionschef Thomas Lippmann.

Wissenschaftsminister Willingmann will keine starreren Vorgaben machen, welche Fächerkombinationen und Schulformen Erstsemester wählen können. Das wirke kontraproduktiv und würde die Zahl der Studienanfänger senken, argumentierte er. Stattdessen sollten Beratungen helfen, die Studienanfänger auf Bedarfsfächer zu lenken.

Es müsse jedem klar sein, dass er nur eine Einstellungsgarantie bekomme, wenn er bestimmte Fächer oder Schulformen studiere, sagte Willingmann. "Wer zwei Exotenfächer wählt, muss sich vergegenwärtigen, dass er trotz allgemeinen Mangels möglicherweise keinen Job bekommt."

Sachsen-Anhalt muss einem Expertengutachten zufolge bis 2030 rechnerisch gut 730 neue Lehrkräfte pro Jahr einstellen, um Altersabgänge und steigende Schülerzahlen auszugleichen. Vor allem für Sekundarschulen wird Verstärkung gebraucht. Gerade für diese Schulform entscheiden sich derzeit aber zu wenige Lehramtsstudenten.

Aktuell ist der Personalmangel an den Schulen allgemein sehr groß, auch in den meisten anderen Bundesländern. Das sorgt für Dauerdebatten, wie sich die Situation am besten entspannen lässt. Bildungsminister Tullner verweist immer wieder darauf, dass es nicht an Stellen fehlt, sondern an Bewerbern.