Halle (dpa/sa) - Eine 28 Jahre alte fünffache Mutter hat am Landgericht Halle berichtet, wie ihr Ehemann sie über Jahre massiv misshandelt hat - er ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. Betrunken habe er sie geschlagen, getreten und auch einmal leicht mit einem Messer verletzt, berichtete die Frau am Mittwoch. Sie war per Videoverbindung in den Gerichtssaal zugeschaltet. Ihr Rechtsbeistand hatte das beantragt, damit die 28-Jährige ihrem Peiniger nicht begegnen muss. Der versuchte, sich bei der Frau zu entschuldigen. Sie entgegnete, sie wolle nicht mehr mit ihm zusammen sein.

Der 31-Jährige hatte schon zum Prozessauftakt am 21. April schwere Attacken gegen seine Ehefrau weitgehend gestanden und auf seinen hohen Alkoholkonsum hingewiesen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Am 22. Oktober 2019 habe er seiner Ehefrau vor dem Jugendamt in Halle mit einer Schere aufgelauert. "Er wollte mich in Richtung meines Herzens stechen", sagte die Frau am Mittwoch. Sie wurde an der Hand verletzt. Passanten waren eingeschritten und hatten Schlimmeres verhindert.

Die Frau war laut Anklage an diesem Tag aus dem Krankenhaus entlassen worden, nachdem sie von ihrem Ehemann misshandelt und lebensgefährlich verletzt worden war. Das Jugendamt hatte die Familie nach Angaben des Verteidigers des Mannes bereits betreut. Das Paar ist seit 2011 verheiratet und hat fünf Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren.

Der Prozess soll am 7. Mai fortgesetzt werden. Dann werden weitere Zeugen gehört.

Prozess-Vorschau des Landgerichts Halle mit Infos zum Prozess