Gröbzig (dpa) - Einen Tag nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle hat der Förderverein des Museums Synagoge Gröbzig auf seinem Neujahrsempfang der Opfer gedacht. "Mit Entsetzen und Abscheu haben wir den feigen Anschlag auf unsere Mitbürger in Halle erlebt", sagte Museumschefin Anett Gottschalk. Der ehrenamtliche Bürgermeister von Gröbzig, Dirk Honsa (Freie Wählergemeinschaft Anhalt), erklärte, dass das Jahr 5780 nach dem jüdischen Kalender, das gerade begonnen habe, unter keinem guten Vorzeichen stehe. "Wir teilen die Angst der jüdischen Gemeinde in Halle vor dem Terror von rechts, dem wir mit Zivilcourage begegnen müssen." Er bedankte sich ausdrücklich bei der Polizei, die das Museumsensemble seit Mittwoch schützt.

Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei Sachsen-Anhalts, sprach von der "Tat eines Wahnsinnigen." "Die Gespenster erheben wieder ihr Haupt und wir als Gesellschaft sind dazu aufgerufen, aufzustehen und allen Anfängen zu wehren", fügte der CDU-Politiker hinzu. "Das haben wir vielleicht zu lange nicht konsequent genug getan."

Zu der Veranstaltung in Gröbzig (Landkreis Anhalt-Bitterfeld), etwa 26 Kilometer von Halle entfernt, war auch der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, eingeladen. Er konnte jedoch an dem Empfang, bei dem etwa 35 Vereinsmitglieder und interessierte Gröbziger anwesend waren, nicht teilnehmen.

Am Mittwoch hatte ein schwerbewaffneter mutmaßlicher Rechtsextremist versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen und unter Dutzenden Gläubigen ein Blutbad anzurichten. Sein Versuch scheiterte, woraufhin er vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben soll.

Museum Synagoge Gröbzig