Berlin (dpa) - Die Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur setzen sich dafür ein, dass jede Zwangsadoption in der DDR aufgeklärt wird. Bislang gebe es aber keine seriösen Belege für systematische und flächendeckende Adoptionen gegen den Willen von Kindern und Eltern aus politischen Gründen, teilten die Beauftragten der Ostländer am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. "Ungeachtet dessen bleibt jeder einzelne Fall eine Tragödie." Bislang seien nur wenige Einzelfälle belegt. Eine Skandalisierung der "äußerst sensiblen Thematik" schade den Betroffenen.

Kürzlich war eine Vorstudie zur Dimension politisch motivierter DDR-Adoptionsverfahren zwischen 1966 und 1990 veröffentlicht worden. Die Landesbeauftragten nannten die dortige Zahlenschätzung als "völlig verfrüht". Notwendig sei eine wissenschaftliche Erforschung ohne Vorurteile. Berücksichtigt werden müssten auch Fälle, in den Eltern vermuten, dass ihnen der Tod ihrer Babys vorgetäuscht wurde, um eine Zwangsadoption zu verschleiern.

Die Vorstudie soll nach Angaben der Landesbeauftragten am 9. April im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin vorgestellt werden.