Halle (dpa) - Nach dem Terrorangriff in Halle hat Oberbürgermeister Bernd Wiegand den Zusammenhalt in der Stadt betont. Verhältnisse wie im vergangenen Jahr in Chemnitz werde es nicht geben, sagte der parteilose Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Natürlich standen wir zuerst unter Schock. Aber die Stadtgesellschaft steht zusammen. Sie zeigt Gesicht und wehrt sich gegen Vereinnahmung."

In der sächsischen Stadt Chemnitz hatte es im August 2018 tagelang Demonstrationen gegeben, nachdem ein 35-Jähriger Deutscher erstochen worden war. Bei den Kundgebungen marschierten auch Rechtsextremisten mit, einige zeigten den Hitlergruß oder griffen Menschen an, bei denen sie eine ausländische Herkunft vermuteten. Wegen der Bluttat wurde inzwischen ein Syrer zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt, nach einem zweiten Verdächtigen aus dem Irak wird weltweit gesucht.

Der Terrorangriff von Halle hat einen anderen Hintergrund. Ein schwerbewaffneter Rechtsextremist hatte am Mittwoch versucht, in die Synagoge einzudringen, in der rund 50 Gläubige den jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Plan scheiterte, erschoss der Täter eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss. Der 27 Jahre alte Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Er hat antisemitische und rechtsextremistische Motive eingeräumt.

Wiegand verwies auf die Stimmung in seiner Stadt. Das Bündnis "Halle gegen Rechts" sei sehr aktiv. "Die Solidarität mit den Opfern ist überwältigend. Tausende Menschen nehmen an Gedenkveranstaltungen teil und bekennen sich zu Toleranz, Offenheit und Demokratie. Die Stadt zeigt, wie bunt und vielfältig sie ist", sagte er. "Der Versuch, rechtsextreme Strukturen auch bei uns aufzubauen, war nie erfolgreich." Wiegand stellt sich nach sieben Jahren im Amt an diesem Sonntag zur Wiederwahl.