Halle (dps/sa) - Der Oberbürgermeister von Halle, Bernd Wiegand (parteilos), hat am Jahrestag des Anschlags in seiner Stadt zu mehr Aufmerksamkeit beim Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus aufgerufen. "Viele Menschen im Umfeld des Attentäters sahen offenbar weg, als er sich radikalisierte", sagte das Stadtoberhaupt am Freitag bei einer Gedenkveranstaltung. "Er war kein Einzeltäter", betonte Wiegand. Die Folge daraus könne nur sein: "Wir alle müssen stärker auf unser Umfeld achten." Es sei wichtig, nicht nur hinzusehen, sondern auch zu handeln, erklärte Wiegand mit Blick auf rassistische Äußerungen.

Mit bewegenden Worten erinnerte Wiegand in der Ulrichskirche in Halle zudem an die beiden bei dem Attentat ums Leben gekommenen Opfer. Jana L. sei Schlagerfan gewesen und habe leidenschaftlich gern Autogramme gesammelt, sagte der Oberbürgermeister. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe ihr bei einem Besuch in Halle im Februar 2019 ein Autogramm gegeben, erinnerte Wiegand auf der Gedenkfeier. Kevin S., ein Malerlehrling und Fußballfan, sei ebenfalls bei dem Anschlag ums Leben gekommen. Auch an die Menschen, die bei der Flucht des Attentäters verletzt wurden, erinnerte Wiegand.

An der Gedenkfeier für die Opfer und Betroffenen des Anschlags nahmen neben dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) teil.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Täter Sprengsätze über die Mauer des Synagogengeländes in Halle geworfen und versucht, in das Gotteshaus einzudringen. Als das misslang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin, tötete beim Angriff auf einen nahe gelegenen Dönerimbiss einen 20-Jährigen und verletzte und traumatisierte weitere Menschen, ehe er nach rund eineinhalb Stunden gefasst wurde. Der 28 Jahre alte Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden, vor dem Oberlandesgericht Naumburg läuft der Prozess gegen ihn.

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