Hannover/Jork (dpa) - Viele Obstbauern in Niedersachsen legen derzeit Nachtschichten ein. Damit die empfindlichen Blüten der Obstbäume bei den nächtlichen Minusgraden nicht erfrieren, nutzen die Landwirte Beregnungsanlagen. "Wir sind jetzt drei Nächte in Gang gewesen", sagte Obstbauer Ulrich Buchterkirch, der beim Landvolk Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau ist. Die laufenden Pumpen müssten stündlich überwacht werden. "Man muss das im Auge behalten." In solchen Nächten sei seine Schlafenszeit deutlich reduziert.

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt können die Blüten angreifen und damit die Obsternte gefährden. Um das zu verhindern, spritzen und sprühen die Bauern Wasser über die Bäume. "Wenn Wasser gefriert, entsteht die sogenannte Erstarrungswärme", erklärte Buchterkirch. Zudem bildet sich ein Eispanzer. Um die Blüten zu schützen, müssen die Bauern die Beregnung wiederholen. "Es wird immer wieder Wasser über die Blüten gegeben, immer wieder gefriert das Wasser, immer wieder entsteht Wärme."

Das Risiko von Frostschäden besteht Buchterkirch für alle Obstbäume. "Die Blüten müssen einfach geschützt werden", sagte er. Die Auswirkungen der Kälte sind demnach je nach Temperatur und Zustand der Blüte unterschiedlich. "Ein leichter Frost führt nur zu ganz geringen Schäden", erklärte er. Und: "Je weiter die Blüte entwickelt ist, desto gefährlicher ist der Frost."

Minusgrade im März sind dem Obstbauern zufolge völlig normal. Die Besonderheit in diesem Jahr sei, dass der Winter sehr mild war. "Wir wissen nicht, ob die Blüten so frosthart sind wie sonst." Außerdem sei der Vegetationsbeginn durch den milden Winter äußerst früh, sagte Buchterkirch, der auf 50 Hektar Äpfel und auf 5 Hektar Kirschen anbaut.

Auf die Notwendigkeit von Beregnung sind die Obstbauern demnach eingestellt. "Die meisten Betriebe haben eine eigene Wetterstation", sagte Buchterkirch. Diese übermittele die Daten aufs Handy und löse bei bestimmten Temperaturen einen Alarm aus.

Niedersachsens bekanntestes Obstbaugebiet ist das Alte Land an der Niederelbe. Es gilt als das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet in Deutschland. Auch die Obstbauern dort müssen ihre Bäume derzeit vor Frost schützen, wie Matthias Görgens vom Obstbauzentrum Jork berichtete. Ihm zufolge werden an der Niederelbe auf 9000 Hektar Äpfel angebaut. "Davon können 80 Prozent beregnet werden", sagte er. Jüngst hätten die Obstbauern deshalb Nachtschichten eingelegt. Die Betriebsleiter müssten die ganze Nacht sicher stellen, dass die Anlagen funktionieren. Für die Beregnung nehmen die Betriebe demnach überwiegend Wasser aus der Elbe und den Nebenflüssen.

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