Naumburg/Wittenberg (dpa/sa) - Am Oberlandesgericht Naumburg (OLG) wird im Januar in einem Streit um die Entfernung eines antijüdischen Reliefs an der Wittenberger Stadtkirche verhandelt. Ein Mann hat gegen die evangelische Gemeinde geklagt, weil er sich durch die mittelalterliche Schmäh-Plastik beleidigt fühlt. Er fordert, das als "Judensau" bekannte Sandsteinrelief von der Kirchenfassade zu entfernen, wie das OLG am Dienstag mitteilte. Der Kläger ist den Angaben nach Mitglied einer jüdischen Gemeinde. Mit einer Entscheidung sei am Verhandlungstag am 21. Januar wohl noch nicht zu rechnen, sagte ein OLG-Sprecher. (Az.: 9 U 54/19)

Das mittelalterliche Relief zeigt einen Rabbiner, der einem Schwein unter den Schwanz schaut und Juden, die an den Zitzen der Sau trinken. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein. Das Dessauer Landgericht hatte aufgrund der Klage des Mannes gegen die Kirchengemeinde im Mai 2019 geurteilt, die Abbildung sei Teil des denkmalgeschützten Gotteshauses, in dem einst Martin Luther predigte. Außerdem würde eine Tafel mit Erklärungen das Relief einordnen.

Das Landgericht urteilte in dem zivilrechtlichen Verfahren zudem, dass keine Beleidigung durch die Kirchengemeinde vorliegt. Sie habe das Relief nicht angebracht, es sei vielmehr Teil des denkmalgeschützten Gebäudes. Deshalb habe die Gemeinde auch keine aktive Beleidigung vorgenommen. Der Kläger legte gegen das Urteil Berufung beim OLG ein.

Die Kontroverse um das Sandsteinrelief gibt es seit einigen Jahrzehnten. 1988, 50 Jahre nach Beginn der Pogrome in Deutschland, war am Boden ein Gedenkstein eingelassen worden.

Position der Stadtkirchengemeinde Wittenberg zum Relief