Berlin (dpa) - Der Bauhelm des Chefarchitekten Heinz Graffunder, eine Flasche Zitronenlikör "Kalifornia" und Geschirr mit Goldrand - im Berliner DDR-Museum erinnert eine neue Sonderausstellung mit rund 130 Exponaten an den Palast der Republik, der vor 30 Jahren am 19. September 1990 wegen Asbest geschlossen und Jahre später abgerissen wurde.

Kein Ort in Berlin habe so radikale Umbrüche erfahren wie das einstige Palast-Areal, sagte Kurator Sören Marotz am Freitag. Der Palast sei dort gebaut worden, wo die DDR-Führung 1950 das Stadtschloss sprengen ließ. Jetzt entsteht auf dem Platz in der Mitte Berlins das Humboldt-Forum, ein erster Teil soll noch in diesem Jahr eröffnet werden.

Am Eröffnungstag am 25. April 1976 sollen 105 000 Besucher im Palast der Republik gewesen sein, ist auf einer Ausstellungstafel zu lesen. Beliebt als heimliches Andenken sei etwa Besteck mit den Palast-Initialen gewesen, weiß Historiker Marotz.

13 Restaurants, Bowlingbahn, Weinstube und Theater waren beliebte Treffpunkte. Auch die Volkskammer, das DDR-Parlament, hatte in dem Gebäude ihren großen Sitzungssaal, in dem der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik zum 3. Oktober 1990 beschlossen wurde. Ein Großteil des Mobiliars sei bis heute an einem geheimen Ort in Berlin gelagert, hieß es.

Zu zwei Handgranaten und einer Pistole in einer Vitrine sagte Marotz, es habe keinen geheimen Militärbunker unter dem Palast gegeben - "das waren Requisiten des Theaters im Palast." Den Bauhelm des 1994 gestorbenen Graffunder hat laut Museum dessen Tochter zur Verfügung gestellt.

Die Schau wolle zu Befriedung der unterschiedlichen Befindlichkeiten in Ost und West und zum Nachdenken über Geschichte beitragen, so Marotz. Es solle deutlich werden, dass der Prestigebau nicht nur Zentrum der DDR-Staatsmacht gewesen sei, sondern auch kultureller Mittelpunkt für viele Menschen. Udo Lindenberg und Carlos Santana traten dort auf, aber es gab auch Staatsempfänge, zudem wurden SED-Parteitage im Palast veranstaltet.

Die Schau wird am kommenden Mittwoch (18.00 Uhr) offiziell eröffnet und ist von Donnerstag an für das Publikum zu sehen.

DDR-Museum

Infos zur Sonderausstellung