Magdeburg (dpa/sa) - Im Zuge einer mehrjährigen Einstellungsoffensive ist die Zahl der Polizistinnen und Polizisten auf Sachsen-Anhalts Straßen gestiegen. Zum Jahresbeginn 2021 waren rund 6030 Vollzugsbeamte im Dienst, wie das Magdeburger Innenministerium auf Anfrage mitteilte. Das seien rund 300 mehr als am 1. Januar 2020, als 5700 Polizistinnen und Polizisten im aktiven Einsatz waren.

Damit greift nach jahrelangem Personalabbau die Offensive der seit 2016 regierenden Kenia-Koalition. CDU, SPD und Grüne vereinbarten damals, bis Ende dieses Jahr 6400 Polizisten zu beschäftigen. Nach Plänen der Vorgängerregierung hätten es nur die Anfang vorigen Jahres beschäftigten 5700 Beamte sein sollen. Das Bündnis bezeichnete die Stärkung der Polizei als eines der wichtigsten Ziele der Wahlperiode. Am 6. Juni 2021 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt.

Obwohl die Entwicklung nach jahrelangem Personalabbau umgekehrt werden konnte, wird das Ziel verfehlt. Lege man die zu erwartende Zahl erfolgreicher Absolventen und die Zahl ausscheidender älterer Kolleginnen und Kollegen nebeneinander, dann werde die Zahl der aktiven Vollzugsbeamten bis Jahresende maximal um 250 steigen, sagte der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Uwe Bachmann.

Damit dürften unter dem Strich 100 bis 150 Männer und Frauen weniger im Einsatz sein als vom Land selbst angepeilt. Auch das Innenministerium hatte vorigen Herbst bereits angekündigt, dass das Personalziel vermutlich verfehlt werde.

Dabei wurde die Zahl der Plätze für Nachwuchspolizisten massiv erhöht. Im ersten Jahr nach der Wahl wurden sie von 350 auf 700 verdoppelt, danach jährlich bis zu 550 Anwärter eingestellt. Die Fachhochschule in Aschersleben (Salzlandkreis) musste zusätzliches Personal einstellen und Containerbauten errichten, um die vielen zusätzlichen Nachwuchskräfte unterzubringen.

"Bei diesen massiven Einstellungszahlen haben wir eigentlich schon erwartet, dass wir das Ziel von 6400 Stellen erreichen", sagte GdP-Landeschef Bachmann. "Aber wie haben nicht mit den viel höheren Abbrecherquoten gerechnet." Statt wie üblich maximal jeder zehnte hatte zuletzt jeder fünfte Anwärter nicht bis zur Abschlussprüfung durchgehalten. Seine Erklärung: Die Kriterien für eine erfolgreiche Bewerbung als Nachwuchspolizist seien zu stark gelockert worden.

Zudem werde es noch einige Jahre dauern, ehe die Entlastung durch das zusätzliche Personal spürbar sei, sagte Bachmann. Das liege daran, dass Sachsen-Anhalt jahrelang kaum neue Kollegen eingestellt habe und jetzt viele auf einen Schlag. Erfahrene Beamte berichteten daher von einer Doppelbelastung durch das Einarbeiten vieler Nachwuchskräfte neben den regulären Aufgaben. "Aber es ist ein wichtiges Signal, dass viele junge Leute kommen", so der Gewerkschafter. "Jeder, der dazu kommt, hilft uns am Ende."