Halle (dpa/sa) - Knapp sechs Monate nach einer lebensgefährlichen Messerattacke in einer Straßenbahn hat in Halle der Prozess gegen einen 20-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Totschlag vor. Der Mann habe neun Mal auf den Rücken und den Hals seines Opfers eingestochen und dessen Tod billigend in Kauf genommen, sagte der Staatsanwalt am Freitag am Landgericht. Der Angeklagte will zu einem späteren Zeitpunkt aussagen.

Zunächst kam das 32-Jährige Opfer der Attacke als Zeuge zu Wort. Er sei am Abend des 6. März in einer Tram aus einer dreiköpfigen Männergruppe heraus angesprochen worden, warum er sie so angucke. Mehr Worte seien nicht gefallen, sagte der 32-Jährige. Anschließend habe er Boxschläge in den Rücken gespürt. Erst nachdem das Trio die Tram verlassen habe, sei er von Zeugen angesprochen worden, dass er stark blute und habe bemerkt, dass die Boxschläge Messerstiche gewesen seien.

Der 32-Jährige wurde mit teilweise tiefen Stichen in ein Krankenhaus gebracht und notoperiert. Das Gericht rekonstruierte die Tat auch mit Bildern einer Überwachungskamera. Dass es sich bei dem Angreifer um den Angeklagten gehandelt hat, sagte das Opfer nicht. Der 20-Jährige meldete sich nach den Schilderungen und sprach sein Bedauern aus.

Der Angeklagte wurde einen Tag nach der Tat festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird außerdem vorgeworfen, vorigen November in einem Laden im Streit um Geld auf einen Mann eingestochen zu haben.

Wegen des Alters des Angeklagten wird vor der Jugendstrafkammer verhandelt. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Das Gericht setzt Verhandlungstermine bis Anfang November an, der nächste ist am 2. September.