Leipzig (dpan) - Psychotherapeuten werden trotz der Corona-Krise aktuell weniger kontaktiert als gewöhnlich. Eine Umfrage der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer unter fast 1200 Mitgliedern ergab, dass die Zahl der Anfragen in mehr als der Hälfte der Praxen gesunken ist. Zudem unterbrächen viele Patienten ihre Therapien oder brächen sie ab, sagte Kammer-Präsident Gregor Peikert am Mittwoch in Leipzig. Er warnte: "Gesundheit ist mehr als Infektionsschutz."

Deshalb will die Berufsvertretung der Psychotherapeuten für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg darauf aufmerksam machen, dass Kapazitäten für eine Therapie oder ein Beratungsgespräch vorhanden sind. Zudem böten etwa zwei Drittel der befragten Praxen Videosprechstunden an.

"Um Folgeschäden zu vermeiden ist es durchaus sinnvoll, sich jetzt kurzfristig Hilfe zu suchen", sagte die Kinder- und Jugendtherapeutin aus Magdeburg, Barbara Breuer-Radbruch. Das gelte auch für Menschen, die sich durch die Corona-Krise belastet fühlen. Zu Breuer-Radbruch kommen aktuell wenige ihrer Patienten. Dadurch könnten sich psychische Probleme verstärken, bemerkte sie.

Patientenvertreter Thomas Rettig sorgte sich vor allem um Menschen, die noch nicht in Betreuung sind. Viele Erkrankte seien durch die aktuellen Veränderungen verunsichert, die Informationslage wirke auf viele unübersichtlich. Deswegen wünsche er sich niederschwellige Angebote und ausreichend Kommunikation für Betroffene, betonte Rettig. Die Kammer appellierte an die Politik, bei anstehenden Entscheidungen die Möglichkeit für Ausnahmeregelungen zu schaffen. Gerade eine mögliche Maskenpflicht in Praxen könnte bei Therapien zu Problemen führen.

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