Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalt will den Kampf gegen Raser verstärken. Hintergrund sind die aktuellen Entwicklungen bei tödlichen Verkehrsunfällen, wie die Verkehrsexpertin des Innenministeriums, Nadine Raabe-Goldermann, am Dienstag in Magdeburg sagte. Bei zwei von drei Verkehrstoten habe voriges Jahr überhöhte Geschwindigkeit zu dem Unfall geführt. Daher gelte das Motto "Wir blitzen für Ihr Leben gern", so Raabe-Goldermann. Es solle mehr Kontrollen geben, zudem wolle man mit Kampagnen sensibilisieren.

DER ALLGEMEINE TREND: Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle zum zweiten Mal in Folge gesunken. Rechnerisch musste die Polizei pro Tag zu 201 Unfällen ausrücken. Das waren statistisch gesehen fast fünf weniger pro Tag als noch 2017. In absoluten Zahlen gab es knapp 73 500 Unfälle und damit knapp 1600 weniger. Dabei verunglückten weniger Menschen und es gab weniger Schwerverletzte. Einen Anstieg gab es hingegen bei den Verkehrstoten: 140 Menschen starben voriges Jahr auf Sachsen-Anhalts Straßen und damit acht mehr als noch 2017.

DIE HAUPTRISIKEN: Mit 140 Verkehrstoten liege das Jahr 2018 auf dem Niveau früherer Jahre, sagte Raabe-Goldermann. Seit 2012 habe die Zahl regelmäßig um diesen Bereich geschwankt, mit 132 tödlich Verunglückten war im Jahr 2017 ein Tiefstand erreicht worden. Mit dem Anstieg folge Sachsen-Anhalt zudem dem Bundestrend, wo mehr als 3260 Menschen im Straßenverkehr starben (+85).

Dennoch sei auffällig, dass besonders außerorts mehr Menschen im Straßenverkehr starben. Voriges Jahr wurden 86 Verkehrstote fern der Ortsgrenzen gezählt, 16 mehr als im Vorjahr. Eine besondere Risikogruppe stellten Motorradfahrer dar, sagte Raabe-Goldermann. 23 Biker verunglückten tödlich und damit fast doppelt so viele wie 2017. Den Anstieg führte die Verkehrsexpertin auch auf den langen Sommer zurück, der viele Gelegenheiten zum Motorradfahren bot.

DIE HAUPTURSACHE: Die meisten Verkehrsunfälle in Sachsen-Anhalt waren zum dritten Mal in Folge Zusammenstöße mit Wildtieren. Laut Statistik gab es rund 14 100 von ihnen. Das waren knapp 230 weniger als im Vorjahr. Doch trotz des leichten Rückgangs waren an fast jedem fünften Unfall im Land Wildtiere beteiligt. Fast immer landeten Rehe auf der Motorhaube: Sie waren an fast drei Viertel aller Wildunfälle beteiligt. Einen deutlichen Rückgang gab es bei Kollisionen mit Wildschweinen. Auch sieben Wölfe verendeten nach einem Verkehrsunfall, vier mehr als noch 2017.

Allerdings gingen Wildunfälle meist glimpflich aus: Nur bei jedem hundertsten Unfall mit Schwerverletzten waren Wildtiere beteiligt. Überhöhtes Tempo war dagegen bei fast jedem vierten schweren Unfall die Hauptursache.

DIE GEGENSTRATEGIEN: Sachsen-Anhalts Polizei werde den Kontrolldruck erhöhen, um das Rasen einzudämmen, kündigte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) an. Von April an soll ein mobiler sogenannter Super-Blitzer im Einsatz sein. Er kann eine Woche am Stücke ohne menschliche Unterstützung Raser fotografieren und auch an kurvigen Strecken und in Baustellen aufgestellt werden.

Im Laufe des Jahres soll es auf der Autobahn 2 zudem zwei fest installierte Blitzer geben. Zwischen der Auffahrt Bornstedt und dem Rasthof Börde sowie in der Gegenrichtung zwischen der Auffahrt Rothensee und Magdeburg-Zentrum werde der Aufbau derzeit vorbereitet, so Raabe-Goldermann.

Zum Start der Motorradsaison sei am 7. April zudem eine Schwerpunktkontrolle in Mansfeld-Südharz geplant. Dabei sollen Biker für die Gefahren sensibilisiert und Verstöße geahndet werden. Zudem warne das Land mit der Kampagne "Schnell, schneller, tot - dagegen haben wir was" weiterhin vor dem Rasen. Bisher ist die Kampagne auf mehr als 130 Heckscheiben von Überlandbussen zu sehen.