Dessau-Roßlau (dpa/sa) - Das Dessauer Schloss Georgium, das die Anhaltische Gemäldegalerie beherbergt, ist für zusammen 15,5 Millionen Euro saniert worden. "Der Bau ist fertig", sagte Oberbürgermeister Peter Kuras am Freitag in Dessau-Roßlau. Zu Beginn der Arbeiten habe sich herausgestellt, in welch desolatem Zustand das Gebäude tatsächlich war. Unter anderem hatte es kein ordentliches Fundament, hinter Wänden taten sich Hohlräume auf, eine Klimatisierung fehlte, hieß es. Die Sanierung nahm gut Jahre in Anspruch.

Schließlich hätten nicht die verfügbaren Gelder die Arbeiten bestimmt, sondern das Ziel, "ein Kunstmuseum mit nationaler und internationaler Ausstrahlung schaffen", sagte Kuras. Das Georgium gehört zum Dessauer Unesco-Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz.

Staats- und Kulturminister Rainer Robra (CDU) sagte, es sei ein "kongeniales Ambiente" geschaffen worden für die angemessene Präsentation der Bestände der 1927 gegründeten Anhaltischen Gemäldegalerie. Ihr Bestand umfasst etwa 1800 Gemälde und rund 18 000 Grafiken und Zeichnungen von 1400 bis zur Gegenwart. Von nationaler und internationaler Bedeutung sind Werke der altniederländischen und altdeutschen Malerei, der flämischen und holländischen Malerei wie auch der deutschen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts. "Die Zusammenstellung ist ein Zeugnis anhaltischer Geschichte", sagte Ulrike Wendland, ehemalige oberste Denkmalschützerin Sachsen-Anhalts und heute Geschäftsführerin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz.

Die Gemälde hängen in dem fertigen Bau allerdings noch nicht. "Schritt für Schritt zieht die Anhaltische Gemäldegalerie hier ein", sagte OB Kuras. Angepeilt werde ein Eröffnungstermin im Mai.

Die Bauleute fanden bei der genauen Betrachtung des Georgiums enorme Mängel, die bis in die Statik reichten, hieß es. So habe das Hauptgebäude aus dem Jahr 1780 auf dem verdichteten Schwemmsand der Elbe gestanden. Ein Fundament sei ganz vorsichtig Stück für Stück geschaffen worden, sagte Thomas Nestler, Baudirektor von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Die Stiftung, die unter anderem für den Magdeburger Dom und weitere große Gebäude im Land zuständig ist, unterstützte die Stadt Dessau-Roßlau bei der aufwendigen Sanierung.

Mit dem Beginn der Zusammenarbeit sei es auch zu einer Art Paradigmenwechsel gekommen, sagte Generaldirektor Christian Philipsen: man sei abgekommen von der Idee des Schlossmuseums und hin zu einem modernen, flexiblen Kunstmuseum. Es sei Technik für die kommenden 30 bis 50 Jahre eingebaut worden samt einem neuen Beleuchtungssystem. Es gibt keine Steckdosen und Schalter mehr. Sicherheitssysteme wurden eingebaut.

Panzerglasfenster wurden zusätzlich zu den historischen Fenstern eingebaut, um die moderne Klimatisierung überhaupt erst möglich zu machen und Schutz für die historischen Gemälde zu schaffen. "Wir haben Bilder dabei, Holztafelgemälde, die sind so empfindlich, dass eigentlich jeden Tag geguckt werden muss, wie es ihnen geht." Es gehe daher um das Höchstmaß an stabiler Klimatisierung und Licht- sowie Brandschutz.

Grundsätzlich passe ein solches historisches Gebäude nicht gut mit einem Hochleistungs-Museum zusammen. Es seien viele individuelle Lösungen gefunden worden, sagte Denkmalschützerin Wendland. Das Schloss Georgium füge sich nun gut ein in eine Reihe ähnlicher Beispiele wie den Lutherhäusern, im Bauhaus Dessau selbst und den Meisterhäusern. "Da können wir uns auch international gut sehen lassen", sagte Wendland.

Und schließlich gibt es mehr Platz für die Kunst in der Anhaltischen Gemäldegalerie: Im obersten Geschoss wurden ein Depot und Arbeitsräume als Ausstellungsräume hergerichtet. "Wir haben unter dem Strich viel, viel mehr Ausstellungsfläche gewonnen", sagte Nestler.

Infos Stadt Dessau-Roßlau zur Anhaltischen Gemäldegalerie