Berlin (dpa) - Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wünscht sich angesichts des 30. Jubiläums der Wiedervereinigung mehr Ostdeutsche in Führungspositionen. Am Bundesverfassungsgericht etwa habe man lange dafür kämpfen müssen, dass eine Richterstelle mit jemandem aus dem Osten besetzt werde, sagte Schwesig am Freitag im RBB-Inforadio. Im Juli war erstmals eine ostdeutsche Juristin am höchsten deutschen Gericht vereidigt worden.

Angesprochen auf eine ARD-Umfrage zur Demokratiezufriedenheit, die im Osten deutlich geringer ausfiel, sagte Schwesig: "Mir machen die Zahlen Sorgen." Die Ministerpräsidenten verwies außerdem darauf, dass Ostdeutsche beispielsweise den sozialen Zusammenhalt in der DDR oft höher einschätzten als in der heutigen Bundesrepublik. Auch das müsse gesagt werden dürfen, ohne die Menschen gleich als Ost-Nostalgiker abzustempeln, sagte Schwesig.

Der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte von den Westdeutschen mehr Verständnis gegenüber der ostdeutschen Bevölkerung. "Das ist nicht der Punkt, dass jetzt Ostdeutsche endlich mal mehr Verständnis für die Westdeutschen haben müssen - umgekehrt eher", sagte de Maizière am Freitag im ARD-"Morgenmagazin".

Es gebe viel Kritik an einer als "westdeutsch empfundenen Form des Politikbetriebes", sagte de Maizière. Dazu gehörten überflüssige Anglizismen oder bestimmte Regeln, wie man sich auszudrücken habe. "Das geht vielen etwas pragmatischeren Ostdeutschen ein bisschen auf den Geist." De Maizière war nach der Wende als westdeutscher Politiker lange in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen aktiv.