Magdeburg (dpa/sa) - Auf der Tunnelbaustelle am Magdeburger Hauptbahnhof haben Archäologen Skelette gefunden, die aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammen könnten. Grabungsleiterin Juliane Huthmann erklärte am Dienstag, die Toten wiesen verschiedene Verletzungen auf. Zwischen den Knochen sei ein kleines Gefäß gefunden worden, das aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stamme, außerdem eine abgefeuerte Musketenkugel. Mit weiteren Analysen müsse der Fund, der bei Schachtarbeiten zu Tage trat, genauer untersucht und zeitlich eingeordnet werden. Auch der Fundort gibt den Archäologen Rätsel auf: Die Bestattungen seien außerhalb der mittelalterlichen Stadt erfolgt, nicht auf dem Kirchhof, sagte Huthmann. Bislang sind rund 30 Schädel sowie dazugehörige Knochen ausgegraben worden. Kinder- und Erwachsenenskelette sind darunter. Ob es sich um eine Familie handelt, ist noch unklar. Deutlich sei, dass die menschlichen Überreste irgendwann umgelagert wurden. Spuren der Holzsärge sind noch erkennbar, Sargnägel wurden gefunden.

Klar sei, dass die Menschen gut ernährt waren. Grabungsleiterin Huthmann präsentierte den Schädel eines mittelalten Mannes mit sehr gut erhaltenen Zähnen. Der Schädel weise diverse Verletzungen auf, etwa eine Hiebverletzung an der Seite. Sollte der Fund wie vermutet auf das Jahr 1631 zurückgehen, zeugt er Hutmann zufolge von einer "Hölle auf Erden". Damals sei aus dem blühenden Magdeburg ein Dorf gemacht worden, es wurde gebrandschatzt und gemordet. Binnen kürzester Zeit gab es 20 000 Tote in der Stadt, sagte Huthmann.