Berlin/Moskau/Dessau-Roßlau (dpa) - Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V könnte nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig auch in Deutschland produziert werden. Bei Gesprächen mit der russischen Seite habe es die Bitte gegeben, zu schauen, ob es in Deutschland oder Europa Produktionskapazitäten geben könne, sagte Spahn am Mittwoch bei einer Online-Konferenz von "Tagesspiegel", "Zeit", "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche". "Wir können ja auch Unterstützung geben für die Produktion eines Impfstoffes, der in Europa noch gar nicht oder gar nicht zugelassen ist." Da sei man vermittelnd tätig.

Zuvor hatte bereits Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) berichtet, dass der Bund mit dem Impfstoffhersteller IDT Biologika in Dessau-Roßlau über mögliche Produktionskapazitäten für Corona-Impfstoff verhandelt. Es gehe um die Frage, ob andere Aufträge zugunsten eines Corona-Wirkstoffs zurückgestellt werden könnten. Eine etwaige Einigung würde laut Haseloff aber frühestens im zweiten Quartal für mehr Impfstoff sorgen können.

Dass es bei diesen Verhandlungen explizit um eine Produktion des russischen Vakzins Sputnik V geht, sagte Haseloff nicht. Zuvor hatte der Sender MDR Aktuell allerdings unter Berufung auf das Bundesgesundheitsministerium berichtet, dass die Sputnik-Entwickler Kontakt zu IDT aufgenommen hätten. IDT-Chef Jürgen Betzing sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" (Mittwoch) dazu nur knapp: "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu kundenspezifischen Projekten."

Haseloff zeigte sich von der Produktion und dem Einsatz eines russischen Impfstoffs ebenso wenig abgeneigt wie Gesundheitsminister Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Nicht die Herkunft kann hier entscheiden, sondern die Wirkung", sagte Haseloff. Nach Angaben aus Moskau war bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA ein Antrag auf ein Zulassungsverfahren im Januar eingereicht worden.

Nach Kritik an fehlenden belastbaren Studien hatten russische Forscher weitere Details veröffentlicht. Nach den neuen Daten hat Sputznik V eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent. Die Ergebnisse wurden am Dienstag im medizinischen Fachblatt "The Lancet" publiziert. Spahn sprach von ermutigenden Daten.

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Link zur Landespressekonferenz mit Ministerpräsident Reiner Haseloff, u.a. zu IDT und Sputnik