Berlin/Magdeburg (dpa/sa) - Nach der Ankunft der ersten Erntehelfer aus Rumänien warten Sachsen-Anhalts Landwirte auf helfende Hände. Wie viele der am Donnerstag in Deutschland gelandeten Saisonkräfte mit der Arbeit auf Sachsen-Anhalts Feldern beginnen würden, sei nicht bekannt, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums am Donnerstag in Magdeburg. Aus Sicht des Verbands der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer (VOSBA) ist trotz der Einreise der Helfer die Situation angespannt. "Ich gehe nicht davon aus, dass 100 Prozent der Flächen beerntet werden können", sagte der VOSBA-Geschäftsführer Jürgen Schulze im brandenburgischen Teltow mit Blick auf die Situation in Sachsen-Anhalt.

Die Bauern im Land befürchten seit Wochen aufgrund der Corona-Krise mit geschlossenen Grenzen vielerorts fehlende Saisonkräfte für Spargel, Erdbeeren und Co. In der vergangenen Woche hatten sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) geeinigt, dass rund 80 000 ausländische Saisonkräfte unter strengen Auflagen nach Deutschland fliegen können. Die Arbeiter werden den Angaben nach vor allem zur Spargelernte dringend benötigt.

Die fehlenden Saisonkräfte haben laut VOSBA gravierende Folgen für die Bauern im Land. Einerseits sei für die Festangestellten Mehrarbeit im rechtlichen Rahmen wahrscheinlich, erklärte der VOSBA-Sprecher für Sachsen-Anhalt, Henning Hoffheinz, in Genthin. "Im Zweifel bleibt aber Spargel stehen", so Hoffheinz. Der Bedarf an Saisonkräften ist je nach Betrieb unterschiedlich: Einige Bauern seien maschinell gut ausgestattet und könnten ihre Flächen ausreichend pflegen, andere seien auf ausländische Kräfte angewiesen, so Schulze.

Um Saisonkräfte aus Osteuropa einfliegen zu lassen, müssen die Agrarbetriebe die benötigten Helfer über ein Portal des Deutschen Bauernverbands anmelden. Laut Bauernverband lagen bis Donnerstagvormittag für April rund 9900 Anmeldungen für Saisonkräfte vor, deren Daten an die Bundespolizei übermittelt wurden. Für Mai seien bislang weitere 4300 Anmeldungen eingereicht worden, hieß es.

Der VOSBA vertritt nach eigenen Angaben neben den Spargelbauern auch die Anliegen von Beerenobstbauern, die unter anderem Erdbeer- oder Heidelbeerplantagen bewirtschaften. Nach der Spargelernte beginnt laut Verband ab Mitte Mai vielerorts die Erdbeerernte. Nach Angaben des Landwirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt sind deutlich mehr als die Hälfte der Fläche des Landes landwirtschaftlich genutzt.