Berlin (dpa) - Der Aufarbeitungsverein Bürgerkomitee 15. Januar hat vor einer Schließung von Stasi-Archiven in den ostdeutschen Bundesländern gewarnt. Es müsse befürchtet werden, dass nach den jetzt vorgelegten Plänen zwei Drittel der Archive in den früheren DDR-Bezirksstädten geschlossen werden, teilte Christian Booß für den Verein mit.

Außenstellen der Stasi-Unterlagen-Behörde in Zeiten von Politikverdrossenheit schließen zu wollen, gehe in die falsche Richtung. Vielmehr sollten die Einrichtungen mit Vereinen und Trägern der politischen Bildung zu Zentren für Aufarbeitung und Zivilcourage weiterentwickelt werden, forderte der Verein.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hatte am Mittwoch ein Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen vorgestellt. Die Hinterlassenschaft der DDR-Geheimpolizei soll demnach ins Bundesarchiv eingegliedert werden, der Zugang zu den Akten soll aber weiter möglich sein. Die Pläne müssen vom Bundestag beraten werden.

Derzeit hat die Bundesbehörde zwölf Außenstellen in den ostdeutschen Ländern. Dort sind die geretteten Bestände der jeweiligen früheren DDR-Bezirksverwaltungen der Stasi untergebracht.

Künftig soll es nur noch einen Archivstandort pro Land geben. Für die sachgerechte, gebündelte Lagerung der jahrzehntealten Papiere soll es Neubauten geben. Die Orte sind noch unklar. Laut Konzept könnten sich Bürger aber in den Außenstellen ohne Archiv weiter informieren, beraten lassen oder Anträge stellen.

Der Aufarbeitungsverein meinte, wenn die Stasi-Akten nicht direkt am Ort seien, erlahme das öffentliche Interesse schnell. Die Auskunftsstellen würden dann höchstens noch ein paar Jahre existieren.

Die Stasi-Unterlagen-Behörde samt Außenstellen hat derzeit rund 1400 Mitarbeiter. Der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann, hatte mit Blick auf die Archiv-Leute betont: "Wir können auf keinen Mitarbeiter verzichten." Die Digitalisierung sei personalintensiv.

Zur Hinterlassenschaft der DDR-Geheimpolizei gehören allein 111 Kilometer Schriftgut. Zudem gibt es rund 15 000 Säcke mit zerrissenen Papieren, die Stasi-Offiziere nicht mehr ganz vernichten konnten.

In Berlin soll nach den Plänen in der früheren Stasi-Zentrale ein Kompetenzzentrum mit Werkstätten entstehen, in denen Akten restauriert und digitalisiert werden können. Dort sollen auch die überlieferten Unterlagen von DDR-Behörden und der Stiftung Parteien und Massenorganisationen deponiert werden, die das Bundesarchiv bislang an anderen Standorten bündelte.

Im Vorjahr wurden bei der Stasi-Unterlagen-Behörde rund 45 000 Anträge auf persönliche Akteneinsicht gestellt; das waren rund 3000 Anträge weniger als 2017.

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