Pömmelte (dpa/sa) - Archäologen haben am Ringheiligtum Pömmelte-Zackmünde (Salzlandkreis) die größte Siedlung der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur aus der Zeit vor 4300 bis 3600 Jahren in Mitteleuropa ausgegraben. "Die neuen Entdeckungen am Ringheiligtum ermöglichen es, das soziale und religiöse Umfeld der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur, für das die Himmelsscheibe von Nebra das eindrücklichste Beispiel bietet, besser zu verstehen", sagte Landesarchäologe Harald Meller am Donnerstag.

Bislang sei eine Fläche von rund 60 Hektar untersucht worden. "Allein seit Mai konnten etwa 1200 Befunde dokumentiert werden. Die Siedlung umfasst bislang mindestens 32 typische Langhäuser sowie mehrere Gräber, war aber ursprünglich wesentlich größer", sagte Meller.

Außerdem wurden zwei neue Gebäudegrundumrisse und zahlreiche Gräber der älteren Glockenbecher-Kultur von vor 4500 bis 4050 Jahren entdeckt. "Einige Gräber bestechen durch ihre aufwendige Holzarchitektur mit Baumsärgen oder Holzkammern", so Meller.

An Grabbeigaben wurde neben den üblichen Trinkgefäßen, wie Glockenbechern, Schalen und Tassen, eine steinerne kleine Armschutzplatte und eine Pfeilspitze aus Feuerstein geborgen. Solche Armschutzplatten wurden am Handgelenk befestigt, um beim Zurückschnellen der Bogensehne Verletzungen vorzubeugen.

Das Ringheiligtum von Pömmelte wurde von Menschen der etwas älteren Glockenbecher-Kultur vor rund 4300 Jahren erbaut. Die rekonstruierte Anlage steht am Originalplatz und hat einen Durchmesser von 115 Metern, umgeben von einem Palisadenzaun aus 1800 Robinien-Stämmen. Pömmelte ist Experten zufolge vergleichbar mit dem englischen Stonehenge, das ebenfalls Vertreter der Glockenbecher-Kultur errichteten.

Ebenso wurden die Reste mehrerer Grabhügel entdeckt. Diese könnten in die ältere Schnurkeramische Kultur vor etwa 4800 bis 4350 Jahren datieren. Denn in diese Epoche fällt die erste Nutzung Pömmelte als "heiliger Ort". Auch hierfür finden sich in Südengland Parallelen.

Die Grabungen sind ein Gemeinschaftsprojekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Universität Southampton (England) sowie dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Pressemitteilung des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie