Magdeburg (dpa/sa) - Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle hat ein Überlebender aus der Synagoge einen stärkeren Dialog zwischen Juden, Konfessionslosen und Angehörigen anderer Religionen in Deutschland gefordert. "Wir müssen einander zuhören", forderte der 31-Jährige am Dienstag im Gerichtssaal. Nur durch gegenseitiges Verstehen ließe sich Judenhass überwinden.

Antisemitismus sei eine Krankheit, sagte der Berliner. "Aber nicht wie die Krankheit einer Person, sondern der ganzen Gesellschaft". Wie ein Tumor habe er sich ausgebreitet. "Das Problem liegt an uns allen und nicht am Täter", sagte der Zeuge. "Der Einzeltäter ist nur ein Werkzeug des Antisemitismus."

Das Verfahren um den Anschlag läuft seit Juli. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker anzurichten. Nachdem er nicht in das Gotteshaus gelangte, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und kurz darauf einen 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss. Der 28 Jahre alte Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet. Der Prozess läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg, findet aus Platzgründen aber in Magdeburg statt.