Leipzig (dpa) - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert, die Soforthilfen für die Wirtschaft in Mitteldeutschland auch für freischaffende Journalisten, Musiker und Künstler zu öffnen. Die bisherigen Programme in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen würden Solo-Selbstständige im Haupterwerb von den Hilfen ausschließen, kritisierte Verdi am Freitag. "Damit stehen viele Solo-Selbstständige vor dem finanziellen Ruin und können ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten", sagte Michael Kopp von Verdi.

Durch die Schließungen hätten etwa selbstständige Lehrer von Musik- oder Volkshochschulen jegliche Verdienstmöglichkeit verloren. "Viele haben seit Ausbruch der Coronakrise schlicht keinerlei Einkommen mehr", so Kopp. Auf Rücklagen könnten vieler dieser oftmals prekär Beschäftigten nicht zurückgreifen. Die Soforthilfen würden für Mieten, Leasingraten und ähnliche Forderungen gezahlt, die Betroffene in der Corona-Krise sonst nicht begleichen können. Lebensunterhalt und Entschädigungen für Verdienstausfälle seien explizit von den Hilfen ausgeschlossen. Dabei sei genau das für Solo-Selbstständige nötig, sagte Kopp. "Eine freiberuflich tätige Künstlerin oder ein freier Journalist hat in aller Regel weder ein Ladengeschäft oder Büroräume angemietet, noch ein Firmenfahrzeug geleast."

Sachsen-Anhalt hatte bereits am Freitag vor zwei Wochen ein Soforthilfe für Künstler angekündigt. Das sei zwar positiv, reiche aber nicht für den Lebensunterhalt, sagte Kopp auf Nachfrage. Eine weitere positive Ausnahme sei Dresden, das einmalige Soforthilfen von 1000 Euro an Künstler zahle. Im restlichen Sachsen und in Thüringen würden die Solo-Selbstständigen hingegen leer ausgehen. Die Regierungen müssten deshalb ihre Soforthilfe-Programme nachbessern, fordert die Gewerkschaft. "Hier muss die Soforthilfe auch dazu dienen, den eigenen Lebensunterhalt finanzieren zu können, ohne auf Hartz-IV angewiesen zu sein."