Berlin (dpa) - 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es im Leben der Deutschen trotz gewachsener Angleichung laut einer neuen Studie weiter Trennlinien zwischen Ost und West. So hätten die Ostdeutschen im Schnitt noch 14 Prozent weniger Einkommen als Westdeutsche, heißt es in einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Haushalte zwischen Rügen und Erzgebirge hätten bis heute gerade die Hälfte dessen angespart, was ein Haushalt zwischen Sylt und Alpenrand zurücklegen konnte.

Die Zahl der Einwohner in den ostdeutschen Ländern sinkt nach der Studie mit dem Titel "Vielfalt der Einheit" weiter. Seit der Einheit sei die Bevölkerung um rund 3,4 Millionen Menschen gewachsen (Ende 2019 rund 83,2 Millionen), doch Ost und West seien auf gegensätzlichen demografischen Pfaden unterwegs, so die die Autoren.

Während die alten Länder zwischen 1990 und 2019 einen Zuwachs von mehr als 5,4 Millionen Menschen verzeichneten, verloren die fünf ostdeutschen Flächenländer im gleichen Zeitraum rund 2,2 Millionen Menschen (Ende 2019 rund 12,6 Millionen).

In den Ost-Ländern sowie im Saarland lebten 2019 laut Studie weniger Menschen als 1991. Vom Rückgang am stärksten betroffen sei Sachsen-Anhalt, das fast jeden vierten Einwohner eingebüßt habe.

Auch in den westlichen Ländern kämpften ländliche Regionen etwa in Nordhessen, der Südwestpfalz oder Oberfranken mit sinkenden Einwohnerzahlen, während attraktive Großstädte samt Umland unter starkem Wachstumsdruck ächzten, heißt es in dem Bericht.

Noch zur Jahrtausendwende lagen demnach die einkommensschwächsten Kreise ausschließlich in den östlichen Ländern, inzwischen haben demnach die Bewohner in den Ruhrgebietsstädten Gelsenkirchen und Duisburg das niedrigste Jahreseinkommen.

Bei der Zahl neu geborener Kinder oder der Lebenserwartung gebe es hingegen kaum noch Unterschiede. Bei der Berufstätigkeit von Frauen sei der Osten dem Westen voraus.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), sprach von einer überwiegend positiven Bilanz. Es gebe ein starkes Fundament der Einheit, auf dem weiter aufgebaut werden könne. Der Zustand der Demokratie im Osten mache aber Sorge, "Hass und Extremismus treten schneller zutage". Politische Bildung und Bürger-Dialoge müssten verstärkt werden. Die Studie wurde mit 90 000 Euro vom Bund gefördert.

Studie